VeranstaltungenDer Lesenachmittag mit den Leseratten
Am letzten Sonnabend, dem 27. März, kamen sechs junge Leseratten des Literaturhauses Schleswig-Holstein ins Buchhaus Thalia in Kiel. Sie lasen aus ihren Lieblingsbüchern vor und sprachen darüber, was ihnen an diesen Büchern besonders gefällt und für welche jungen Leser sie diese empfehlen würden.
Wie schon beim ersten Lesenachmittag der Leseratten im November letzten Jahres war auch dieses mal der gemütliche Cafeteriabereich bei Thalia im Obergeschoss der Ort des Geschehens. Mit den vorzustellenden Büchern in den Händen saßen die Jungen und Mädchen in einem Halbkreis den jungen wie alten Gästen gegenüber und lasen der Reihe nach vor und sprachen über die Bücher. Bevor sie jedoch loslegen konnten, gab es noch ein paar einleitende Worte von Micaela Strebos von Thalia und Lena Brixa vom Literaturhaus Schleswig-Holstein, den beiden Organisatorinnen der Veranstaltung.
Sechs verschiedene Leseratten – sechs unterschiedliche Bücher
Den Anfang machte David Muus mit dem Titel „Die Stadt der träumenden Bücher“ von Walter Moers, das im Piper Verlag im Taschenbuch erschienen ist (ISBN: 3-492-24688-5 / 10,95 Euro / ab 12 Jahren). Es ist die Geschichte des jungen Lindwurms Hildegunst von Mythenmetz, der auf dem fantastischen Kontinent Zamonien allerlei Abenteuer, unter anderem in der zamonischen Literaturhauptstadt Buchhaim, erlebt und sich auf die Suche nach dem Verfasser eines perfekten Manuskriptes macht. Obschon es sich vordergründig um ein Jugendbuch handelt, kann es auch von älterem Publikum gelesen werden.
Mit „Gregs Tagebuch 2“ von Jeff Kinney aus dem Baumhaus Verlag (ISBN: 3-8339-3633-9 / 12,90 Euro / ab 10 Jahren) ging es dann weiter. Kim Deschka las einen Abschnitt vor, der Gregs frei schweifende Gedankenwelt und seine sympathische Genervtheit über übelwollende andere Kinder und die teils anstrengenden Absichten der Erwachsenenwelt lebendig werden ließ. Tatsächlich beschreibt der Ich-Erzähler in diesem Buch locker und witzig seinen Alltag, sein Familienleben mit Eltern und zwei Brüdern und dem üblichen Schulstress, den ein ganz normaler Junge eben so hat. Gregs Tagebücher gibt es inzwischen von Nummer eins bis vier. Sie sind durch kleine Comiczeichnungen aufgelockert und nicht nur deshalb, sondern auch von der Sprache sowie dem Schriftbild her, gerade auch für Wenigleser gut geeignet.
In den Bereich des eher Dunkelfantastischen führte der dritte, von Luca Honsbein vorgestellte Titel „Lehmann oder die Versuchung“ von David Almond, erschienen bei Hanser (ISBN: 3-446-20904-2 / 14,90 Euro / ab 12 Jahren). Der nicht eben dem Idealbild eines wohlerzogenen Jungen entsprechende David und sein Freund Gordie prügeln sich, rauchen und trinken heimlich Messwein. Als ein neuer Bursche namens Stephen auftaucht, ist David von dessen Charisma fasziniert. Außerdem kann Stephen Figuren aus Lehm gestalten, die quasi lebendig zu sein scheinen. Eines Tages bauen David und Stephen ein lebensgroßes Lehmwesen und geraten dadurch in ein gefährliches Spiel mit dem Übersinnlichen.
Zurück in die Realität und zugleich rückwärts in die Vergangenheit entführte dann Franziska Bluhm die Zuhörer, als sie aus „Freiheit! Sechs Freunde in den Wirren der Französischen Revolution“ von Inge Ott vorlas, das im Verlag Freies Geistesleben erschien (ISBN: 3-7725-1576-2 / 15,50 Euro / ab 15 Jahren). Der Roman erzählt die Geschichte vierer Jungen und zweier Mädchen zwischen vierzehn und neunzehn Jahren, die zu Beginn der französischen Revolution nach Paris aufbrechen und dort ihre je ganz eigenen Erfahrungen mit der Revolution machen. Die Perspektive wechselt gleichberechtigt zwischen den sechs Hauptfiguren, wodurch eine abwechslungsreiche Spannung entsteht. Da es zum Ende etwas blutrünstig wird und ein gewisses Vorwissen über die Französische Revolution hilfreich ist, sollte dieses Buch nicht von allzu jungen Lesern zur Hand genommen werden.
Mit viel sichtbarer Freude am Lesen brachte der jüngste unter den anwesenden Leseratten, nämlich Michel Honsbein, Paul Maars Klassiker „Eine Woche voller Samstage“ zu Gehör, der bei Oetinger erschien (ISBN: 3-7891-1952-0 / 9,90 Euro / ab 8 Jahren). Mit seiner unmöglichen und furcht-, ja respektlosen Art und Weise bringt das Sams das Leben des ängstlich braven Herrn Taschenbier gehörig durcheinander und sorgt für manchen Lacher, wenn es etwa Dinge, die „man halt so sagt“, allzu wörtlich nimmt. Am Ende aber gewinnt Herr Taschenbier das Sams richtig lieb und wird dank des Sams selbst etwas unerschrockener und selbstbewusster. Mittlerweile gibt es übrigens mehrere Bücher vom Sams und sogar eine eigene kleine Sams-Seite im Internet: www.wunschpunkte.de.
Den Schluss machte Sarah Schwerdtfeger, die Kurt Helds Roman „Die rote Zora und ihre Bande“ vorstellte. Das Buch erschien bei Sauerlaender (ISBN: 3-7941-6130-0 / 19,90 Euro / ab 10 Jahren). Der zwölfjährige Branko ist nach dem Tod seiner Mutter auf sich allein gestellt und wird ins Gefängnis geworfen, als er aus Hunger auf dem Markt einen kleinen Fisch aufhebt. Die rote Zora befreit ihn und nimmt ihn in ihre Bande aus Kindern ohne Zuhause auf. Die Kinder müssen stehlen, um zu überleben, werden von der Polizei verfolgt und erleben allerlei Abenteuer. Dieser Klassiker der Kinderliteratur ist nicht nur ein spannendes Buch, sondern vermittelt nebenbei grundlegendes Gerechtigkeitsempfinden und übt unaufdringlich Sozialkritik. Die mittlerweile volljährige Rezensentin von den Leseratten erzählte, dass sie das Buch vor zehn Jahren das erste Mal las und noch heute davon begeistert sei.
Was machen die Leseratten sonst so?
Die lesefreudigen Kinder und Jugendliche von acht bist neunzehn Jahren, treffen sich mehrmals jährlich, um über Bücher zu reden und natürlich neue Bücher auszuleihen. Diese werden dann zu Hause gelesen und in einem kurzen Text rezensiert. Die Rezensionen werden als Lesetipps in gedruckter Form veröffentlicht und Exemplare der aktuellen Lesetipp-Ausgabe liegen in gedruckter Form unter anderem in der Buchhandlung Thalia in Kiel aus. Dort wird es mit Sicherheit in den nächsten Monaten auch wieder einen neuen Lesenachmittag mit den Leseratten geben. Wer neugierig geworden ist, bekommt mehr Infos unter: www.leserattenkiel.twoday.net
Jörg Ludolph

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Über den Autor
Jörg Ludolph;Alte Akten und Staub der Archive sind Jörg ebenso eine Lust wie die Freuden grüner Natur und freier Kultur. Zwischen Welt da draußen und Schreibtisch pendelnd füllt er das Sammelkartenalbum des Daseins. Hauptsache bleibt, dass der Grill brennt.










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