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Konzerte

Daniel Malheur: Die Schau geht weiter

Daniel Malheur: Die Schau geht weiter

Neulich im Prinz Willy am Kieler Südfriedhof, jeden Monat in Berlin, 1. Mai in Lübeck, 11. Juni in Schleswig und bereits am 8. August wieder im Prinz Willy: Daniel Malheur präsentiert seine Wunschkonzertschau unermüdlich in der Hauptstadt und im Norden der Republik. Auf Zuruf singt der Herr Salontenor teils bekannte und vor allem auch weniger bekannte, deutsche und fremdländische, schmissige, heitere und provokante Lieder aus den roaring twenties.

Bereits die Erscheinung des Herrn Salontenors Daniel Malheur auf der Bühne ließ die vergangenen Zeiten lebendig werden. Heiteren Gemütes trat er in beigem Knickerbocker-Anzug, mit streng pomadiertem Mittelscheitel und Monokel vor das Publikum und stellte sogleich sein Orchester vor. Hierunter befand sich vor allem und als meistgenutztes Instrument das original Handbetrieb-Grammophon aus dem Britischen Königreich. Weitere Ausstattungsstücke, die sich teils bereits auf der Bühne sehen ließen oder noch zum Einsatz kommen würden, waren ein aus dem Film „Das Boot“ bekanntes Koffertongerät, zahlreiche Kopfbedeckungen samt Fliegerkappe, Tropenhelm und Kapitänsmütze, die der Herr Salontenor mit sicherem Gespür von Lied zu Lied wechselte. Nicht zu vergessen sei - last but not least - seine original Hundeführerarmbinde, die in klassischem Schwarz-Weiß-Rot gehalten die passende Atmosphäre zu den Propagandaliedern der Abteilung „Fünf Uhr Tee in der Reichskanzlei“ à la „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen ...“ schuf.

Erst Hupen, dann Rufen

Wunschkonzert heißt, dass der Herr Salontenor zu instrumentalen Aufnahmen auf Schelllackplatten das aus einer Liste gewünschte Lied singt. Daniel Malheur hupt, das Publikum ruft. Dieses mehrfach vorgetragene Wunschprinzip erschloss sich zunächst nicht durchgehend dem sehr wunschbegierigen Publikum, dennoch klappte es trotz laut fröhlichem Rufchaos ganz gut mit dem Wünschen, und die allermeisten Gesangsvorschläge konnten berücksichtigt werden. Als Unterabteilungen der 60 Titel umfassenden Liederliste sind „Schlager von Liebe, Lust & Laster“, „Frauenfeindliche & politisch unkorrekte Schlager“, „Fünf Uhr Tee in der Reichkanzlei“ sowie „Internationale Schlager“ zu nennen. Die gesungenen Lieder wären größtenteils auch tanzbar gewesen (Foxtrott, Tango, Slowfox, Walzer, Rumba und Ähnliches). Sie entstammten unter anderem den Genres Tonfilm sowie Operette, auch französische Chansons und englischsprachige Lieder waren dabei. Die älteste aufgelegte Platte erblickte 1920 das Schummerlicht der Plattenfabrikationshalle und ist eine Aufnahme des berühmten Tanzorchesters Metropol.

Das der Abend mit Daniel Malheur so ungemein unterhaltsam geriet, war nicht nur dem anhaltenden Gesangsgenuss, sondern gerade auch des Herrn Salontenors Talents zu pfiffiger Schau und geistreicher Interaktion mit dem Publikum geschuldet. So stand beispielsweise kein Lied für sich, sondern war stets von Anekdoten und Erläuterungen begleitet. Die Pausen während des Ankurbelns des Grammophons und beim Plattenwechseln dienten kurzweiligen Sätzen über die Welt der 1920er Jahre, in der etwa die Jazzmusik auch in Kiel die junge, mondäne Welt begeisterte, „man gab sich verrucht“. Auch während des Singens selbst war er den Anwesenden mehr als herzlich zugewandt und schmachtete zum Beispiel bei „Night&Day“ ganz wunderbar die Frauen im Publikum an. Nach der Pause wurden Zettel verteilt für die Auslosung von Musikwünschen, bei denen es auch etwas zu gewinnen gab, nämlich für die Damen eine CD und für die Herren den Abzug eines Damenporträts, welches des Künstlers Großvater als Fotograf am Montmartre aufnahm.

Die 1920er ins Jetzt holen

Im Anschluss an die Bühnendarbietung stand Daniel Malheur noch für ein kurzes Gespräch zur Verfügung. Der Herr Salontenor berichtete, dass er bereits seit 15 Jahren aktiv sei und es anlässlich dessen im November ein Jubiläumsprogramm geben werde, mit dem er dann auch in Kiel gastieren wird. Seine Anbindung an Schleswig-Holstein ist ohnehin eng, da der gebürtige Stormarner zehn Jahre in Lilienthal bei Kiel lebte und damals vor allem durch den Norden tourte. Dann jedoch konnte er der Anziehungskraft Berlins, das ja quasi die Stadt der 1920er Jahr ist, nicht wiederstehen und siedelte vor zweieinhalb Jahren dorthin um. Wie er anmerkte, sei die Szene dort größer und lebendiger, das Publikum jünger. Da es sein Anliegen sei, die 1920er Jahre ins Jetzt, ins Hier und Heute zu holen und er keine Nostalgie-Schau veranstalten wolle, sei gerade dieses junge Publikum dank seiner Offenheit sehr erfrischend. Entgegen der immer wieder vorgetragenen Publikumswünsche nach „Kaktus“ und „Veronika“, die von einer bekannten deutschen Männergesangsgruppe populär gemacht worden, mag er es, unbekannte Stücke auszugraben und lebendig werden zu lassen. Damit gehe es ihm auch um die Ausgestaltung einer eigenen Note und darum, ein bisschen Verrücktsein zu ermöglichen. Umso mehr freut er sich, dass auch Stücke wie „Sie riechen penetrant Madame“, ein Tango von 1928, sich immer wieder größter Beliebtheit beim Publikum erfreuen.

Wer Daniel Malheur demnächst im norddeutschen Raum erleben möchte, kann dies an folgenden Terminen: 1. Mai in Lübeck, 11. Juni in Schleswig und am 8. August im Prinz Willy in Kiel. Sollten alle Konzerte ausverkauft sein oder sich eine Familienfeier am Wunschtermin dazwischenschieben, so ist es auch möglich, Daniel Malheur zu Hause zu lauschen. Er veröffentlichte bereits einige CDs, die hier, wie auch einzelne von ihm gesungene Titel online zu erwerben sind: http://www.myspace.com/salontenordanielmalheur. Auf seiner Webpräsenz finden sich zudem die Termine der Berliner Konzerte.

Jörg Ludolph

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Über den Autor

Jörg Ludolph;

Alte Akten und Staub der Archive sind Jörg ebenso eine Lust wie die Freuden grüner Natur und freier Kultur. Zwischen Welt da draußen und Schreibtisch pendelnd füllt er das Sammelkartenalbum des Daseins. Hauptsache bleibt, dass der Grill brennt.

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