KonzerteIm Interview und bald in Kiel: Gentleman
Das neue Album des Ausnahmekünstlers aus Köln, der vor Jahren nach Jamaika auszog, um die Welt zu erobern, heißt „Diversity“. Wie der Name zu erklären ist, erklärt Gentleman alias Tilmann Otto im Interview, bevor er am 28. März die Halle 400 rockt. Plus Verlosung!
KIELerLEBEN: Worin liegt der Grund, dass du als „Weißer aus Babylon“ so akzeptiert wirst und deine Musik auch dort Anklang findet?
Gentleman: Dort, in Jamaika, gibt es auch Babylon. Für mich ist Babylon ein Ausdruck der Ignoranz. Wir sind alle manchmal babylonisch. Auf Jamaika ist es jedoch so, dass die Musik im Vordergrund steht und die Leidenschaft, mit der man diese angeht. Und nicht zuletzt habe ich ja auch viel Zeit in Jamaika verbracht, mein halbes Leben lang inzwischen.
Welche Bedeutung hat Deutschland für dich, was fühlst du gegenüber Jamaika?
Ich muss sagen, dass ich mich eigentlich in Deutschland sehr wohl fühle. Vor allen Dingen fällt mir nach einem längeren Aufenthalt in Jamaika auf, wie gut es uns hier eigentlich geht. Krankenkassen, Kindergeld und die sozialen Einrichtungen sind ein großes Plus. Dafür gibt es hier auch so etwas wie eine soziale Kälte und Anonymität, die du in dem Maße in Kingston nicht erleben würdest. Ich war bei meinem letzten Besuch in Kingston aber auch erschreckt, dass selbst dort die Globalisierung Einzug gehalten hat. Der erste H&M hat nämlich auf Jamaika aufgemacht; irgendwann werden wohl alle Städte gleich aussehen.
Wie verhält es sich mit deinen Touren, vermisst du dein Zuhause sehr?
Ich liebe das Touren wirklich sehr, bin aber auch gern bei meiner Familie. Ich hätte nie gedacht, dass Zeit für mich irgendwann einmal zum Luxus werden könnte. Nun, da es soweit gekommen ist, muss ich mir Zeitfenster für die wirklich wichtigen Dinge freischaufeln, sodass ich mich mit meiner ganzen Aufmerksamkeit jeweils meiner Familie und meiner Musik widmen kann, um so die Leidenschaft zu konzentrieren.
Dein neues Video zu der Single „It no pretty“ wendet sich gegen Gewalt und wirkt sehr plakativ. Glaubst du, dass Musik das Denken der Menschen verändern kann?
Ich kann mit meiner Musik nur Diskussionen anstoßen, ich glaube auch nicht mehr an die heile Welt durch die Kraft der Musik. Ich glaube aber, dass die Fans sich mit der Musik identifizieren und, dass ich durch Denkanstöße in den Texten das Bewusstsein der Menschen verändern kann. Das kann man auch daran sehen, dass jede Rebellion von Musik begleitet wird. Aber man kann nicht alles nur auf die Message herunterbrechen. Ich meine, ohne Melodie kein Song. Ich mache eben in erster Linie Entertainment.
Dein neues Album heißt „Diversity“. Welche Bedeutung hat der Titel für dich?
Der Name soll nur klarstellen, dass dieses Album bis jetzt mein vielseitigstes Album ist, sprich der Name ist das Konzept des Albums. Ich bin sonst immer recht straight gewesen, was die Planung eines Albums angeht. Da habe ich mir dann vorher Gedanken gemacht, und das Album war dann eher „laidback“ oder ging dann eben mehr nach vorne. Ich habe bei der aktuellen Produktion ein sehr facettenreiches Album hervorgebracht, was auch an der Zusammenarbeit mit verschiedenen Produzenten liegt. Am Anfang der Produktion hatte ich weder ein Label, noch ein Veröffentlichkeitsdatum. Eigentlich wollte ich nur Songs mit dem Producer Don Corleone auf dem Tonträger haben, doch geriet ich in so einen kreativen Flow, dass ein Song nach dem anderen dazu gekommen ist. Das hat mich dann schlussendlich dazu gebracht hat, so ein Mammut-Album mit 22 Tracks zu veröffentlichen.
Die Zusammenarbeit mit Patrice war ja schon lange ein großer Wunsch von dir. Wie kam es dazu, dass es gerade jetzt zustande gekommen ist?
Als ich wieder einmal in Kingston zu Besuch war, hab ich den Jungen einfach an einer Kreuzung getroffen. Da wir schon lange den Plan eines gemeinsamen Songs verfolgen, jedoch nie etwas Konkretes daraus entstanden ist, haben wir uns einfach spontan zusammengesetzt. Die Vorsehung hatte uns zusammengeführt, dagegen konnten wir uns einfach nicht wehren. Die Zusammenarbeit war wirklich cool, ein lockeres Arbeiten, bei dem ein schönes Roots-Reggae-Stück herausgekommen ist.
Fürchtest du die Reaktionen der Fans, wenn du andere musikalische Einflüsse durchscheinen lässt oder machst du die Musik eher für dich persönlich?
Ich muss meine Musik für mich machen, weil ich sonst die Songs nicht echt vermitteln kann. Da mag es immer welche geben, die einige enttäuschen, aber mir ist es wichtiger, mir selber treu zu bleiben. Das ist meine Musik und mit der versuche ich Schubladen entgegen zu wirken. Jeder Song des Albums ist eine potentielle Single. Gerade für das neue Schaffen war für mich wegweisend, andere Nummern als immer nur Roots-Reggae zu spielen. Früher war ich oftmals sehr skeptisch, wenn es um Musik geht, die lediglich aus Einsen und Nullen besteht (elektronische Musik, Anm. d. Red.). Doch habe ich mich dieser Musik immer mehr geöffnet. Das mag auch daran liegen, dass im jamaikanischen Radio eher die Dancehall-Songs überwiegen. Dort ist auch die Message nicht so zwingend notwendig, aber die Texte mit denen sich die Menschen gefühlsmäßig identifizieren können, sind oftmals immer noch die Klassiker von einem Dennis Brown oder Bob Marley. Deswegen habe ich den Tonträger mit dem Namen „Diversity“ rausgegeben, um genau diese Vielseitigkeit der jamaikanischen Musik wiederspiegeln zu können.
Was haben die Fans auf der Tour zu erwarten?
Also die Fans können sich darauf einstellen, dass es auf jeden Fall abgehen wird. (lacht)Wir haben die neuen Nummern unablässig geprobt und sind unglaublich heiß darauf, diese auch vor Publikum zu spielen, also die Katze aus dem Sack zu lassen. Natürlich dürfen einige von meinen Klassikern nicht fehlen, aber in erster Linie freuen wir uns darauf, das neue Material auf der Bühne auszuprobieren.
Das Interview führte Mattis Fischer
Gentleman live in concert
Am 28. Mai ist Gentleman mit seiner Band "The Evolution" live in der Halle 400. Im Rahmen der 6. short.party wird an diesem Abend gerockt, und das auch für den guten Zweck: Denn Gentleman unterstützt die Trinkwasserinitiative Viva con Agua e.V. und die deutsche Knochenmarkspenderdatei, die am 28. Mai ihren 19. Geburtstag feiert. Tickets für dieses Konzerthighlight sind im Online-Vorverkauf, unter anderem hier erhältlich!
Gewinnspiel
Zwei Fan-Pakete, bestehend aus einem signierten Poster, dem aktuellen Album „Diversity“ und zwei Konzerttickets für den 28. Mai, zu gewinnen! Einfach E-Mail an gewinnspiel(at)kielerleben.de oder Postkarte an die Redaktionsadresse. Einsendeschluss: 23. Mai 2010, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.












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