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Holstein: Hinrunde abhaken
Zu Saisonbeginn wurde die KSV Holstein von einigen Medien und Experten als „Geheimfavorit“ um den Aufstieg in die 2. Bundesliga gehandelt, zur Winterpause steht fest, dass die Störche in der Rückrunde gegen den Abstieg in die Regionalliga kämpfen werden. Eine ernüchternde Hinrunden-Bilanz zum Weihnachtsfest.
Nachdem das letzte Spiel im Jahr 2009 für Holstein Kiel dank einer (seit Jahren) defekten Rasenheizung in Burghausen ausfällt, ist klar, dass die Mannschaft von Trainer Christian Wück mit 22 Punkten und 23:28 Toren im Tabellenkeller überwintern wird.
Auswärtsschwäche, Trainerwechsel und verpuffte Aufstiegseuphorie
Dabei hatte doch alles so schön angefangen: In die 3. Liga aufgestiegen, die Mannschaft mit jungen, aber erfahrenen Kräften sinnvoll verstärkt und mit einem routinierten Erfolgstrainer Falko Götz an der Seite ging Holstein Kiel in die Saison 2009/10. Auch die Vorbereitungsspiele verliefen verheißungsvoll. Immerhin wurden Bundesligisten wie der VfL Wolfsburg oder Zweitligist Arminia Bielefeld „locker“ besiegt. Doch diese trügerische Lockerheit verflog in den ersten Punktspielen schnell – von Aufstiegseuphorie keine Spur. Es dauerte bis zum vierten Spieltag bis die ersten drei Punkte eingefahren werden konnten, auch nach dem 4:0 Sieg gegen Bremen II, dem 3:2 Überraschungserfolg in Offenbach und dem 2:2 gegen Ingolstadt wurden erneut drei Spiele verloren, und der Verein zog die Reißleine: Aufsichtsrat und Präsidium entließen den Trainer Falko Götz, aber nicht (nur) wegen seiner Erfolglosigkeit, sondern da sich die Mannschaft nach internen Querelen geschlossen gegen den ehemaligen Bundesligatrainer ausgesprochen hatte. Es folgte Interimstrainer Torsten Fröhling, der sechs weitere Punkte aus drei Spielen erzielen konnte, aber dennoch am 5. Oktober durch den früheren Bundesligaprofi Christian Wück ersetzt wurde. Der erhoffte Positiveffekt durch die Trainerwechsel zündete nicht. Im heimischen Holstein-Stadion blieben die Störche zwar ungeschlagen und holten weitere acht Punkte, konnten aber aus der Fremde in vier Spielen nur einen Zähler mit an die Förde bringen.
Stürmer gesucht
Bereits früh in der Saison zeigte sich in den Spielen der Störche ein folgenreiches Problem: die fehlende Durchschlagskraft vor dem Tor. Mit Fiete Sykora verletzte sich der mit vier Treffern einzig gefährliche Stürmer im achten Spiel und fiel bis zur Winterpause aus. Neuzugang Francky Sembolo versprühte zu Beginn der Saison durch sein trickreiches und flottes Spiel Hoffnung, dass bei ihm der Knoten irgendwann platzen könnte. Doch seine Leistungskurve fiel nach dem 11. Spieltag, der ersten Partie, in der er nicht mehr in der Startelf gestanden hatte, rasant ab, und er blieb torlos. Tim Wulff versuchte sich im neuen Spielsystem des Trainers Wück mit nur einer Spitze, aber ebenfalls mit nur mäßigem Erfolg (drei Treffer). Die übrigen Offensivkräfte Stier, Guscinas, Heider und Hoffmann erfüllten ihre Aufgabe gar nicht.
Zur Rückrunde wird Trainer Wück auf jeden Fall auf weitere Alternativen zurückgreifen können. Zum einen ist Fiete Sykora nach Verletzungspause wieder einsatzbereit, dazu wird über die Weihnachtstage oder zum neuen Jahr ein neuer Stürmer präsentiert werden. „Der Verein hat mir einen Stürmer zugesagt, und wir sind auch bereits in Gesprächen. Daher hoffe ich, dass wir spätestens bis zum Trainingsauftakt am 2. Januar einen Spieler vorstellen können“, verriet Trainer Christian Wück, ohne Namen nennen zu wollen. Es handle sich aber um Spieler „die sehr viel Qualität mitbringen, unser Anforderungsprofil vom Alter her und auch charakterlich erfüllen, aber im ihrem derzeitigen Verein unzufrieden sind.“
100 Prozent Leistung über 90 Minuten abrufen
„Bei uns darf natürlich jeder Tore schießen“, doch der Aufforderung des Trainers folgten nur wenige. Glücklicherweise erfüllte Michael Holt die Rolle des Goalgetters, erzielte elf Treffer und erzwang mit weiteren torgefährlichen Aktionen, wie zuletzt im Spiel gegen Jahn Regensburg, indem er per knallharter Flanke das Eigentor zum Sieg vorbereitete, wichtige Treffer. Doch die Anzahl an Spielern die über die Hinrunde gesehen ihre Leistung konstant abriefen ist gering – zu gering. Robert Müller überzeugte – mit einer Ausnahme in Wiesbaden – in der Viererkette sowie beide Torhüter Michael Frech – ebenfalls mit einer Ausnahme gegen München II – und Simon Henzler. Ende der Liste.
Lichtblicke setzten junge Akteure wie Florian Meyer, Christian Jürgensen, Kevin Schulz oder auch Patrick Nagel, konnten ihr Potential aber nicht über die notwendige Dauer abrufen. Erfahrene Kräfte wie Tim Jerat, Peter Schyrba oder Alexander Nouri ebenso. Daran wird Christian Wück primär arbeiten: „Wir werden am 2. Januar direkt um 10 Uhr mit dem Training beginnen, und das wird von Beginn an kein lockerer Aufgalopp werden. Unser Ziel muss es sein, zum Auftaktspiel gegen Braunschweig unser volles Leistungsvermögen über 90 Minuten durchzuhalten.“ Der gebürtige Franke sieht das neue Jahr als kompletten Neustart: „Die Spieler haben jetzt Urlaub und sollen wirklich 14 Tage komplett abschalten. Dann werden sie zu Vorbereitungsbeginn auch wieder Lust auf Fußball bekommen.“
Trainingslager als weiterer Verdichtungsprozess
Am 8. Januar geht es für Holstein Kiel zur Intensivvorbereitung an Spaniens Südküste nach Jerez de la Frontera. In sieben Tagen will Christian Wück die Grundlagen für eine bessere Rückrunde und den Verbleib in der 3. Liga legen „Für mich dient das Trainingslager auch, um Automatismen weiter einzuspielen und Feinheiten abzustimmen“, so Trainer Wück der derzeit noch nicht weiß, welche Testspielgegner ihn vor Ort erwarten: „Erst- oder Zweitligisten werden dies auf keinen Fall sein, da für sie die Saison ja schon am 15. Januar beginnt.“ Unter Umständen ja kein schlechtes Omen, so kann Holstein zumindest nicht mit Testspielerfolgen gegen höherklassige Mannschaften glänzen und geht dann mit gebotenem Ehrgeiz, nötiger Aggressivität und erfolgbringender Durchschlagskraft in die Rückrunde.












Korrektur
War nicht Heidenheim, sondern natürlich Ingolstadt, vielen Dank!!
Holstein Kiel
Hallo, Holstein Kiel hat am 19.09.2009 gegen Heidenheim 1:0 gewonnen und keinesfalls 2:2 gespielt.
Hinrunde abhaken
Erstklassige Analyse! Macht jeder Sportzeitung Ehre und trifft den berühmen Nagel auf den Kopf.Jerat bewerte ich allerdings stärker und sehe ihn als den leistungsstärksten Neueeinkauf.Ob die mannschaft zu Saisonbeginn richtig zusammengestellt wurde, ist allerdings fraglich.Genauso wie es fragwürdig erscheint, die Hoffnungen auf Sykora zu setzen.Er muß erst einmal wieder in Tritt kommen, darüberhinaus war ernoch nie ein Torjäger.Es muß schon alles Gute, gepaart mit viel,viel Glück zusammenkommen,um die Klasse zu halten.
Unser geliebter Verein...
...heisst KSV Holstein, und nicht KSV Holstein Kiel.