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Citynews10.11.12 /// Deichkind im Leser-InterviewSeite drucken drucken

Zuckerbrot und Cannabis

Zuckerbrot und Cannabis

Die Band Deichkind steht für satte Elektromucke, schrille Shows und Spaß am Rande des Wahnsinns. Und im Interview? Mit einem Aufruf auf der KIELerLEBEN-Facebook-Fanseite und auf www.kielerleben.de suchte das beliebte Landeshauptstadt-Magazin nach Fragen, die die Leser Deichkind schon immer stellen wollten.

Alexandra Lienhöft und Ute Ahls: Wie seid ihr auf den Namen Deichkind gekommen?
Porky: Das weiß keiner mehr. Vermutlich brauchten wir einfach nur ’nen geilen Namen. Ich hab die gleiche Frage den Toten Hosen mal gestellt. Die wussten’s auch nicht mehr.
 
Theresa Hartmann:
Wie kommt ihr immer auf die verrückten Texte eurer Lieder?
Durch Langeweile und gute Beobachtungsgabe. Für das letzte Album haben wir 30 Songtexte geschrieben, davon haben es zehn aufs Album geschafft.
 
Frank Dudek: Wer von euch hat sich schon einmal hochgebückt?
Ehrlich gesagt, hat sich von uns noch keiner hochgebückt. Wir sind das Fleisch gewordene Beispiel, dass es auch ohne geht. Und das kann ich mit Fug und Recht sagen: Von uns hat sich keiner für eine Sache im Hamsterrad abgerannt, an die er nicht glaubt. Deichkind ist zwar viel Arbeit, wenn du täglich 70 Interviews gibst und dich alle zwei Tage 60.000 Leute anschreien, und so war ich auch schon oft an meinem körperlichen Limit. Aber ich weiß immer, wofür ich das mache.

Lasse Pedersen: Warum macht ihr immer so extreme Shows?
Wir machen einfach das, was gerade in unserem Bauchgefühl entsteht. Dass das so viele Leute geil finden, wundert uns selbst immer. Wir würden das auch ohne den Erfolg so machen. 

Moritz Brandt: Wie tickt ihr so privat – „Krawall und Remmidemmi“ oder eher ne ruhige Kugel schieben?
Ruhiger Remmidemmi – oder besser gesagt: Zuckerbrot und Cannabis.

Arne Bröker: Was macht ihr nach einem Konzert?
Wir essen noch was, dann gibt es noch einige gegorene Beruhigungsmittel, und vielleicht spielen wir noch ein bisschen Gitarre. Wir sind ja leider nach den Konzerten immer im Bus eingesperrt und können nicht in die Puffs und Drogenküchen der Stadt – so wie sich das womöglich einige Leute vorstellen. Am nächsten Tag wartet ja meist schon das nächste Konzert.
 
Robert Bajela:
Wie hat der viel zu frühe Tod von eurem Produzenten und Mastermind Sebastian „Sebi“ Hackert im Jahr 2009 euch musikalisch oder persönlich verändert?
Musikalisch sprudelt die Quelle Deichkind weiter. Aber Musik war damals egal. So wichtig ist Deichkind dann auch wieder nicht. Ich würde auch immer Sebastian gegen Deichkind zurücktauschen. Denn diese persönliche Tragödie hat bei uns eine Narbe hinterlassen, die für immer bleiben wird.
 
Andreas Faerber: Tauscht ihr eigentlich noch immer die Freundinnen unter den Bandmitgliedern?
Nee, seit 2005 sind wir untereinander nicht mehr verschwägert. Ich bin ja mittlerweile auch verheiratet. So gesehen war das damals ein Einzelfall, weswegen ja auch ein Bandmitglied Deichkind verlassen hat.

Sabrina Genuttis:
Ihr könnt euch ein Land eurer Wahl zusammenbauen (Kultur, Essen, Politiker etc.). Aus welchen Ländern würde es bestehen und warum?
Aus Kalifornien wegen des Wetters. Aus Indien wegen des Essens. Aus Holland wegen der Drogenpolitik. Aus Norwegen wegen der Bevölkerungsdichte. Aus England wegen der Monarchie. Ich brauch einen König oder eine Königin!
 
Stephanie Gramsch:
Wenn ihr euch einen Tiernamen geben müsstet, welchen und warum?
Molly Lossau. Mein erstes Kuscheltier hieß Molly und meine Mutter hieß mit Mädchennamen Lossau. Es heißt ja, Pornodarsteller-Namen bestehen üblicherweise aus diesen beiden Namen.

Lars Niebuhr und Stephanie Gramsch: Die originellste Notlüge, die ihr je benutzt habt?
Ähhhhhhh, ich war bislang eigentlich immer ehrlich. Oder? Warte, jetzt hab ich es: Ich bin wieder mit meiner Ex-Freundin zusammen.
 
Niel Thurau: Was ist der größte Fehler, den ihr je begangen habt?
Ich hab mal in einem Skateladen, in dem ich gearbeitet habe und deren Inhaber mich immer supported haben, geklaut. Obwohl das zig Jahre her ist, habe ich noch immer ein schlechtes Gewissen.
 
Rafael Salinas: Findet ihr Kiel schön?
Ja, sehr! Teilweise bin ich ja fast täglich dort. Ich werde jetzt natürlich nicht sagen, wo ich wohne, aber ziemlich bei Kiel. Mir gefällt das Wasser, die Skaterampe anner Uni, und mein Schwager legt hin und wieder im Luna auf. Und: Wir sind ja alle nordy.

Deichkind …
Das sind Philipp „Kryptic Joe“ Grütering (MC, Beats), Sascha „Ferris Hilton/Ferris MC“ Reimann (MC), Sebastian „Porky“ Dürre (Bass), und Henning „DJ Phono“ Besser (DJ).
Deichkind wurde bereits im Jahre 1997 in Hamburg-Bergedorf gegründet. Das Debütalbum „Bitte ziehen sie durch“ erschien anno 2000. Mit ihren prolligen, aber ironisch-intelligenten Texten begeistert das Quartett seitdem ein breites Publikum. Im Februar 2009 verlor die Band überraschend Produzent Sebastian Hackert, der im Alter von 32 Jahren verstarb. Trotz des Schocks beschloss die Gruppe, weiterzumachen. Anfang 2012 veröffentlichten Deichkind ihr fünftes Album „Befehl von ganz unten“.

Übrigens: Am 14. November sind die Jungs live in der Sparkassen-Arena-Kiel zu sehen. Tickets gibt’s an allen bekannten Vorverkaufsstellen oder unter www.deichkind.de.
 

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