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News12.12.11 /// "Der Barbier von Sevilla" im OpernhausSeite drucken drucken

Musikalisch ein Muss

Musikalisch ein Muss

Am Samstagabend feierte "Der Barbier von Sevilla" Premiere im gut besuchten Kieler Opernhaus. Unter der Regie von Daniel Karasek gelang eine frische und ideenreiche Inszenierung, die zum Schmunzeln einlud und von vielen Bravo-Rufen begleitet wurde.


Das Melodramma buffo "Der Barbier von Sevilla" oder "Die nutzlose Vorsicht" in zwei Akten von Gioachino Rossini erlebte am 20. Februar 1816 seine Uraufführung im Teatro Argentina in Rom. Cesare Sterbinis Libretto beruht auf der gleichnamigen Komödie "Le Barbier de Séville ou la Précaution inutile" von Pierre Augustin Caron de Beaumarchais.

Der spanische Graf Almaviva (Juan Sancho) singt von einem Chor begleitet, den sein Diener Fiorello (Ronaldo Steiner) wie ein Torero dirigiert, ein Ständchen zu Ehren der hübschen Rosina (Amira Elmadfa), für die er Feuer und Flamme ist. Die Angebetete lebt bei dem griesgrämigen und misstrauischen Doktor Bartolo (Jörg Sabrowski), der sein Mündel auf Schritt und Tritt bewacht. Denn er selbst plant, das Mädchen aus Geldgier zu heiraten. Zufällig trifft der Graf auf Figaro (Tomohiro Takada), der als geschäftstüchtiger, modebewusster Barbier mit Smartphone und Sonnenbrille, ganz frech den Tiefen der Bühne entspringt. Das Publikum honoriert diese Szene mit begeistertem Applaus. Durch eine stattliche Entlohnung des Grafen motiviert, schmiedet er Pläne zur Befreiung Rosinas. Die weiß, was sie will, denn ihr ist der hübsche Kerl unter dem Balkon nicht entgangen, sodass sie Figaro einen Brief für den Grafen anvertraut, den sie nur unter dem Namen Lindoro kennt. Dafür wird Amira Elmadfa, gewohnt stimmgewaltig und klangfarbenreich, mit stürmischem Klatschen von den Zuschauern belohnt.

Eine Blume, die eigentlich auf Rosinas Stickrahmen gehört, wächst aus dem Bühnenboden und erweist sich als fantasievoller Regieeinfall. Bartolo, der den Verrat Rosinas ahnt, singt auf seine Knie gesunken mit einer solchen Geschwindigkeit und in reinsten Zungenbrechern auf die Blume ein, dass diese blitzartig verschwindet. Jetzt lacht das gesamte Publikum herzhaft und zu Recht gibt es für Jörg Sabrowski eine Menge Bravo-Rufe, der sich in seiner Rolle ausgesprochen wohl zu fühlen scheint. Der gerissene Figaro rät dem Verliebten, sich in der Verkleidung eines betrunkenen Soldaten Einlass in das Haus Bartolos zu verschaffen. Zeitgleich schlägt Basilio (Kyung-Sik Woo), Rosinas Musiklehrer, Bartolo vor, den Nebenbuhler mit einer Verleumdung außer Gefecht zu setzen. Wenig später veranstaltet Graf Almaviva dort einen solchen Aufruhr, dass die Wachen herbeieilen müssen. Nur knapp entgeht der Graf zur Verblüffung aller seiner Verhaftung. Der Streit der Kontrahenten gipfelt nicht nur dramaturgisch, sondern auch musikalisch im Finale der Solisten und Wachsoldaten (Herren des Opernchores des Theaters Kiel), souverän und mit viel Esprit getragen vom Philharmonischen Orchester Kiel unter dem Dirigat von Mariano Rivas.

Kaum hat sich Bartolo von dem Schreck erholt, klopft es erneut an seiner Tür. Völlig liebestrunken hat sich der Graf zu einer zweiten Maskerade entschlossen. Diesmal als Vertretung für den angeblich kranken Musiklehrer Basilio. Er zeigt Bartolo Rosinas Brief und gibt vor, ihn dem Grafen Almaviva abgenommen zu haben. Das Vertrauen ist gewonnen und die Gesangsstunde mit Rosina kann beginnen. Sehr amüsiert zeigte sich das Kieler Premierenpublikum, als Bartolo äußerst witzig die Atemübungen Rosinas imitiert und bei ihrem Gesang schließlich einschläft. Genug Zeit also für die zwei Liebenden, wild zu knutschen und auf dem Flügel übereinander herzufallen. Um Bartolo weiterhin abzulenken, betritt Figaro die Bühne. Die Rasierszene ist ein weiteres Highlight des Stückes. Figaro packt Bartolo unter großem Gelächter der Opernbesucher bei der Nase, setzt ihm eine Augenbinde auf und verpasst ihm ein paar Kopfhörer.

Natürlich gelingt es Figaro auch, dem alten Doktor den Hausschlüssel abzuluchsen. Ganz überraschend taucht Basilio auf. Der Schwindel droht aufzufliegen, sodass nur die prall gefüllte Börse des Grafen die Situation retten kann. Wütend entdeckt Bartolo die zwei Turteltauben und setzt den falschen Musiklehrer und Figaro vor die Tür. Es gelingt Bartolo, Rosina davon zu überzeugen, dass Lindoro und Figaro sie nur mit dem Grafen Almaviva verkuppeln wollen. Enttäuscht offenbart sie Bartolo ihre Fluchtpläne und stimmt einer Heirat mit ihm zu. Kurz darauf klettern die Retter ins Haus, werden aber von Rosina abweisend empfangen. Glücklicherweise wird aus Lindoro zu Rosinas größter Freude Graf Almaviva. Figaro hat es mit den schwer Verliebten nicht leicht, die sich dermaßen anhimmeln, dass sie ihre Flucht schlichtweg vergessen. Schlussendlich heiratet Rosina im Rüschenkleid mit einer Blume im Haar ihren Eroberer in hübsch anzusehender historischer Kulisse. Bartolo hingegen kehrt zu spät zurück und konstatiert: ein echter Fall von nutzloser Vorsicht.


Weitere Aufführungen im Kieler Opernhaus: 14.12. um 19:30 Uhr, 03.01.2012 um 19:30 Uhr, 22.01. um 19 Uhr, 09.02. um 20 Uhr, 18.02. um 20 Uhr, 25.02. um 20 Uhr, 03.03. um 20 Uhr, 16.03. um 20 Uhr, 25.03. um 18 Uhr, 09.04. um 18 Uhr, 12.04. um 20 Uhr, 24.05. um 20 Uhr

Text: Bianca Thedens

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