- Julian Köster übernimmt beim THW Kiel gleich doppelt Verantwortung – als Co-Kapitän und neues Spendengesicht. (Bild: falkemedia Nordmedien/S. Schulten)
Der THW Kiel bläst nach einer enttäuschenden Jahr ohne Titel zum Großangriff. Auf der Pressekonferenz im Cinemaxx Kiel präsentierten die Verantwortlichen ein deutsches Handball-Juwel als Hoffnungsträger und neues Spenden-Gesicht und schickten eine Kampfansage an die Konkurrenz.
Es war ein ungewohntes Bild im Kieler Cinemaxx: Wo sonst Hollywood-Blockbuster über die Leinwand flimmern, präsentierte der THW Kiel am Mittwoch (19. August 2026) sein eigenes Drehbuch für die Zukunft. Nach dem enttäuschenden sechsten Tabellenplatz in der vergangenen Saison – ohne Titel und ohne Qualifikation für den europäischen Wettbewerb – steht der Rekordmeister vor dem größten Umbruch seit Jahren.
Das 80-Prozent-Dilemma: Warum Filip Jicha gehen musste
Aufsichtsratsvorsitzender Kai Kruse redete bei der Aufarbeitung der verkorksten Saison nicht um den heißen Brei herum. In einem ganztägigen Krisengespäch analysierten Klub-Führung und Trainer Filip Jicha die Lage. Das überraschende Ergebnis: „Gemeinsam sind wir zu dem Ergebnis gekommen, dass wir zu 80 Prozent sicher sind, diese Saison mit Filip fortzusetzen. Wir wollten aber einhundert Prozent“, enthüllte Kruse.
Die fehlenden 20 Prozent seien ein zu schwerer Rucksack gewesen und bargen das Risiko, bei ersten Rückschlägen in alte Verhaltensmuster zurückzufallen. Trotz des harten Schnitts soll Jicha am 12. September nach dem Heimspiel gegen Hannover gebührend als Spieler- und Trainerlegende verabschiedet werden. Sein Nachfolger steht bereits bereit: Mit Børge Lund kehrt ein ehemaliger Zebra-Spieler als Cheftrainer an die Förde zurück. Lund gab sich auf dem Podium gewohnt fokussiert: „Jeder Mensch hat es verdient, gesehen zu werden. Wir wollen als Mannschaft noch enger zusammenrücken.“
Julian Köster ist das neue Gesicht der UKSH-Spendenaktion
Neben sportlichen Neuzugängen wie Domen Makuc (FC Barcelona), Vincent Büchner (TSV Hannover-Burgdorf) und Rückkehrer Jarnes Faust präsentierte der THW mit Nationalspieler Julian Köster (VfL Gummersbach) einen echten Transfer-Coup. Und der 19-jährige Rückraum-Star tritt auf Anhieb in riesige Fußstapfen – abseits des Spielfelds.
Köster wird das neue Gesicht der traditionsreichen Benefiz-Aktion zugunsten der Kinderkrebsstation des UKSH Kiel. War früher Torwart-Legende Andy Wolff das Werbegesicht, übernimmt nun Köster den Staffelstab: Für jedes von ihm geworfene Bundesliga-Tor spendet Hauptsponsor Star Tankstellen 100 Euro an die UKSH-Kinderaktivstation. In den vergangenen elf Jahren kamen so bereits über 150.000 Euro für Sport- und Spielgeräte krebskranker Kinder zusammen. Auf die Frottelei aus der Moderation reagierte Köster gewohnt cool: Der Druck sei positiv, er wolle der Mannschaft und den Kindern so schnell wie möglich helfen.
Blinker links: Die Zebras wollen zurück auf die Überholspur
Trotz des Verpassens des europäischen Geschäfts bleibt der THW Kiel wirtschaftlich stabil. Geschäftsführerin Anja Niemann bestätigte, dass die Dauerkartenverkäufe auf dem gewohnt hohen Niveau gehalten werden konnten – und das bei stabilen Preisen. Auch finanziell konnte der Ausfall der internationalen Rechte durch die nationale Vermarktung zu knapp 90 Prozent kompensiert werden. Das Budget bleibt auf dem Niveau der Vorsaison.
Geschäftsführer Viktor Szilagyi betonte den neuen Hunger im Team: „Entwicklung braucht Zeit, aber wir wollen unsere Arena wieder zu der Festung machen, die es jedem Gegner schwer macht.“
Aufsichtsratschef Kai Kruse setzte zum Abschluss das emotionale Ausrufezeichen der Pressekonferenz. Wenn die Mannschaft gesund bleibe, werde es jedes Team der Welt schwer haben, Kiel zu schlagen. Kruse schloss mit den Worten seines Vorgängers Rainer Ziegfeld: „Wir setzen den Blinker und fahren auf die Überholspur!“