- (Bild: falkemedia Regional)
Trotz möglicher Lockerungen beim Heizungsaustausch setzt Kiel weiter klar auf erneuerbare Energien – und gibt Orientierung für die Zukunft.
Mit dem kürzlich veröffentlichten Eckpunktepapier zum geplanten Gebäudemodernisierungsgesetz strebt die Bundesregierung einen deutlichen Kurswechsel beim Heizungsaustausch an. Bislang gilt: Wer seine Heizung nach Ablauf des 30. Juni 2026 austauscht, ist gemäß den aktuell geltenden Anforderungen aus dem Gebäudeenergiegesetz dazu verpflichtet, bei der Wärmeversorgung den Einsatz von 65 Prozent erneuerbaren Energien zu berücksichtigen.
Neue Regeln auf Bundesebene
Nach dem Eckpunktepapier soll unter anderem diese Anforderung gestrichen werden. Gebäudeeigentümer*innen könnten demnach unter Berücksichtigung der sogenannten „Biotreppe“ weiterhin Öl- und Gasheizungen einbauen. Die „Biotreppe“ ist eine stufenweise steigende Beimischungspflicht von CO₂-neutralen Brennstoffen (Biomethan, synthetische Kraftstoffe etc.) für neue Öl- und Gasheizungen ab 2029, die anstelle der bisherigen 65-Prozent-Erneuerbare-Pflicht tritt.
Verbraucherzentrale warnt vor Risiken
Aus Sicht der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein (VZSH) kommt der Einbau neuer Gas- oder Ölheizungen einer risikoreichen Wette auf die Zukunft gleich. „Klar ist: Wer heute erneut in eine Gas- oder Ölheizung investiert, könnte sich in wenigen Jahren mit deutlich höheren Betriebskosten konfrontiert sehen“, so Carina Vogel von der VZSH. Ursache hierfür seien steigende Kosten für synthetische und biogene Brennstoffe, höhere Netznutzungsentgelte sowie steigende CO₂-Preise.
Kiel setzt auf langfristige Planung
„Wir sind froh, dass wir als Vorreiter der Wärmewende unsere Wärmeplanung für die Landeshauptstadt Kiel bereits 2024 erfolgreich aufgestellt haben und sich viele Projekte bereits in der aktiven Umsetzung befinden. Wir haben mehr als 200 Gebäudeeigentümer*innen durch unsere kostenfreien Energieberatungen bei ihrer persönlichen Wärmewende begleitet, dabei wurde die Sinnhaftigkeit der 65-Prozent-Regelung zu keinem Zeitpunkt infrage gestellt“, so Kiels Dezernentin für Umwelt, Klimaschutz und Mobilität Alke Voß.
Mit der Kieler Wärmeplanung liegt ein klarer Fahrplan vor, wie das Ziel einer klimaneutralen Wärmeversorgung in Kiel bis 2040 erreicht werden kann.
Orientierung für Eigentümer*innen
Mit der Wärmeplanung haben die Gebäudeeigentümer*innen eine wertvolle Orientierungshilfe erhalten, wo der Anschluss an Fernwärme, ein Nahwärmenetz oder eine Eigenversorgung die jeweils kosteneffizienteste Lösung darstellt. Bei der Eigenversorgung haben sich Luft-Wärmepumpen in vielen Gebäudesegmenten als wirtschaftlichste Referenztechnologie etabliert. Alle Informationen zur Kieler Wärmeplanung sowie zum Beratungsangebot: www.kiel.de/Waermeplanung
Unabhängigkeit als Ziel
„Die durch den Ukrainekrieg ausgelöste Energiekrise 2022 sowie der aktuelle Nahostkonflikt zeigen sehr deutlich, wie wichtig es ist, sich von Energieimporten aus dem Ausland unabhängig zu machen. Als Landeshauptstadt Kiel setzen wir daher weiter auf den Ausbau erneuerbarer Energien und die Umstellung auf fossilfreie Technologien in der Wärmeversorgung“, macht Alke Voß deutlich. Für sie steht fest: „Wir sehen es als unsere Aufgabe, für die Kieler*innen im Rahmen der Daseinsvorsorge eine sichere, kosteneffiziente und nachhaltige Wärmeversorgung zu gewährleisten. Als Landeshauptstadt Kiel halten wir den Ausstieg aus fossilen Energieträgern für richtig und wichtig, damit auch die heranwachsenden Generationen mit Zuversicht in eine lebenswerte Zukunft blicken können.“