- (Bild: Gunnar Dethlefsen)
Segen oder Stress? Studentin Giuliana untersucht, wie die Kieler Woche die Lebensqualität der Anwohnerinnen und Anwohner beeinflusst. In diesem Artikel liest du, warum die Wahlkielerin ausgerechnet den Kieler Ausnahmezustand zum Thema ihrer Bachelorarbeit macht und wieso die Wahrnehmung der Kieler Woche keineswegs nur Schwarz oder Weiß ist.
Jedes Jahr im Juni verwandelt sich Kiel in eine riesige Partymeile. Für die einen ist die Kieler Woche das absolute Highlight des Jahres, für andere bedeutet sie vor allem Müll, Lärm und verstopfte Straßen. Doch wie wirkt sich das Großevent wirklich auf das Gefühl der Menschen aus, die hier leben? Genau das will Giuliana Müller (22) herausfinden.
Die gebürtige NRWlerin studiert dual Tourismusmanagement mit Schwerpunkt Eventmanagement an der IU Kiel und arbeitet bei der Halle 400. „Mich fasziniert es, die monatelange Planung am Ende als fertiges Event vor Ort zu erleben“, erzählt sie. Auch die Kieler Woche besuchte sie schon vor ihrem Umzug an die Förde regelmäßig. Seit sie selbst in Kiel wohnt, nimmt sie den Ausnahmezustand jedoch auch aus der Anwohnerperspektive wahr.
Overtourism vor der eigenen Haustür
Aus ihrer Begeisterung für das Thema Overtourism entstand die Idee zu ihrer Bachelorarbeit: Eine wissenschaftliche Untersuchung zur wahrgenommenen Lebensqualität der Kieler Bevölkerung während der KiWo.
„Für viele schafft die Kieler Woche Gemeinschaft und Lebensfreude, andere stören sich an Verkehrseinschränkungen, Lärm und Müll“, erklärt Giuliana. „Besonders spannend ist die Frage nach dem Gleichgewicht: Wie sehr profitiert man persönlich im Vergleich zu den Einschränkungen im Alltag?“
Dabei geht es ihr keineswegs darum, das Traditionsevent schlechtzureden. Ganz im Gegenteil: Giuliana genießt die KiWo selbst sehr. Doch sie weiß, dass die Stadtbevölkerung vielfältig ist. „Kiel ist nicht schwarz oder weiß. Von der 16-jährigen Schülerin bis zur Generation 80+ betreffen die Veränderungen alle Generationen.
Nur wenn wir alle Perspektiven einbeziehen, bekommen wir ein ehrliches Gesamtbild.“
Ein Sprachrohr für die Bevölkerung
Ihre Ergebnisse sollen mehr sein als nur eine Note im Studium. Giuliana sieht in ihrer Arbeit eine echte Chance für Kiels Zukunft: „Ich möchte die Perspektive der Bevölkerung sichtbar machen. Wenn die Daten der Stadt oder den Veranstaltern am Ende als Impuls dienen, um zu zeigen, wo es gut läuft und wo noch an Stellschrauben gedreht werden kann, wäre das ein großartiger Erfolg.“
Wer mitgestalten und seine Meinung zur Kieler Woche abgeben möchte, kann ab sofort an Giulianas anonymen Befragung teilnehmen (Dauer: ca. 6 Minuten).