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Solidarisch die Ernte teilen

  • „Die Betriebe haben Planungssicherheit, sind unabhängig von Markt und Preisdruck. Davon profitieren auch die Mitglieder, die stabile Preise bezahlen", erzählt Bio-Landwirt Dieter Pandegrau.
    „Die Betriebe haben Planungssicherheit, sind unabhängig von Markt und Preisdruck. Davon profitieren auch die Mitglieder, die stabile Preise bezahlen", erzählt Bio-Landwirt Dieter Pandegrau.
  •  „Das Prinzip der Solidarischen Landwirtschaft ist ein Zukunftsmodell", sagt Solawista Cathrin Hirsch.
    „Das Prinzip der Solidarischen Landwirtschaft ist ein Zukunftsmodell", sagt Solawista Cathrin Hirsch.
  • Bio-Landwirt Dieter Pandegrau vom Wurzelhof in Schinkel setzt auf Bodenpflege statt Pflanzendüngung
    Bio-Landwirt Dieter Pandegrau vom Wurzelhof in Schinkel setzt auf Bodenpflege statt Pflanzendüngung
09/10/2020 0 5


Faire Preise und Planungssicherheit für die einen, nachhaltige und regionale Lebensmittel für die anderen: In der Solidarischen Landwirtschaft (Solawi) machen Produzent*innen und Verbraucher*innen gemeinsame Sache.

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Ein Beispiel im Norden sind die Schinkeler Höfe. 2015 haben sich vier Betriebe mit einem festen Kundenstamm zusammengeschlossen. KIELerleben war zu Besuch auf dem Wurzelhof in Schinkel.

Donnerstagmorgen um 9 Uhr herrscht auf dem Hof von Dieter Pansegrau, Bozka Klimova und Gabi Pansegrau bereits reges Treiben. Schon im Morgengrauen hat sich ein Team auf den Weg zu einem der insgesamt fünf Wochenmärkte gemacht, die der Wurzelhof wöchentlich beschickt. Die Gemüseaussaat in Anzuchtpaletten läuft auf Hochtouren, und außerdem ist heute der Liefertag für die Solawi-Mitglieder. Das Team um die drei Betriebsleiter ist am Packen: Salate, Radieschen, Rote Bete und Co. wandern in die Gemüsekisten, die Fahrer Tilman Wolff gegen halb 11 Uhr abholen wird. Er wird die Waren, ebenso wie die der drei anderen Betriebe, in die insgesamt 22 Depots zwischen Eckernförde und Kiel ausliefern. Von dort können die Mitglieder, die sogenannten Solawistas, einmal in der Woche ihren Ernteanteil abholen.

Nachhaltig wirtschaften

Seit 1986 betreibt Dieter Pansegrau den Bio-Gemüsebaubetrieb, nördlich des Nord-Ostsee-Kanals zwischen Kiel und Eckernförde gelegen. Die Pflanzen wachsen auf insgesamt elfeinhalb Hektar im Freiland und in Gewächshäusern. Für den Landwirt sind Erhalt und Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit zentral. 

„Wir setzen auf Bodenpflege statt Pflanzendüngung,“ sagt der 62-Jährige. „Auf externen Stickstoffdünger verzichten wir komplett.“ Stattdessen binden Hülsenfrüchte als Vorkultur oder als Beipflanzung mit Hilfe von Bakterien den Luftstickstoff und machen ihn so für andere Pflanzen verfügbar. 

Hinzu kommt eine ausgeklügelte 16-jährige Fruchtfolge. Insgesamt eine Praxis, die weit über die Anforderungen der Bio-Anbauverbände hinausgeht.

Marktunabhängige Planungssicherheit

Von dem Prinzip Solawi ist Dieter Pansegrau überzeugt. „Die Betriebe haben Planungssicherheit, sind unabhängig von Markt und Preisdruck. Davon profitieren vor allem die bäuerlichen Betriebe, die nachhaltig wirtschaften. Aber eben auch die Mitglieder, die stabile Preise bezahlen.“ 182 Haushalte versorgen die Schinkeler Höfe zurzeit. Neben dem Wurzelhof sind der Milchviehbetrieb Rzehak, Ziegenhof Mevs sowie die Bäckerei KornKraft Teil des Verbunds. In den wöchentlichen Ernteanteilen der Mitglieder sind je nach Saison und Ernte verschiedene Gemüse, Kartoffeln, Salate und Kräuter sowie Milch, Joghurt und Quark, Rindfleischprodukte sowie verschiedene Ziegenkäse und -fleisch enthalten. Aus der Bäckerei kommen zudem Brot oder Brötchen sowie Getreide. 172 Euro kostet derzeit ein Ernteanteil im Monat, hinzu kommen 13 Euro Liefer- und Depotgebühr. Die Solawistas decken mit ihren monatlichen Beiträgen die laufenden Kosten der Betriebe und tragen auch deren Risiken mit. „Das Prinzip lebt von Solidarität, Gemeinschaft und Respekt“, sagt Dieter Pansegrau.

Die Solawistas

Cathrin Hirsch und Bernd Techau sind zwei der Solawistas. „Wir können mit dem Modell die Höfe sichern und eine bäuerliche biologische Landwirtschaft in unserer Region fördern“, sind beide überzeugt. Durch den engen Kontakt zu den Betrieben habe sie außerdem eine andere Wertschätzung von Lebensmitteln entwickelt, so Cathrin Hirsch. „Ich habe mittlerweile einen viel höheren Anspruch an den Geschmack. Dafür ist es mir egal, wenn eine Möhre mal krumm ist.“ Auch die Gemeinschaft, wie zum Beispiel freiwillige Ernteaktionen oder regelmäßige Feste, wissen Cathrin Hirsch und Bernd Techau zu schätzen. Ebenso wie Tilman Wolff, der mittlerweile den blauen Transporter mit den Gemüsekisten belädt, sind die beiden Solawistas überzeugt: „Das Prinzip der Solidarischen Landwirtschaft ist ein Zukunftsmodell.“


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ÜBER DEN AUTOR

Karen Jahn

KIELerleben

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