- Stolz trotz unruhiger Zeiten: Stephanie Rieckhof-Sothmann und ihr Mann Frank Sothmann nehmen die Blaue Flagge 2026 im Plüschowhafen entgegen. (Bild: Deutsche Gesellschaft für Umwelterziehung e.V.)
Große Ehre am Plüschowhafen: Die Bay Kiel durfte die Verleihung der „Blauen Flagge“ ausrichten, bangt aber um ihre Zukunft. Lies in diesem Artikel, wieso die Bay diese Auszeichnung erhält und warum die Freude nur kurz währt.
Bestes Sommerwetter, wehende Fahnen und jede Menge maritimes Flair: Der Plüschowhafen in Kiel-Friedrichsort war in diesem Jahr stolzer Gastgeber der landesweiten Verleihungsveranstaltung für die „Blaue Flagge“ 2026. Insgesamt 15 Sportboothäfen in Schleswig-Holstein wurden mit dem begehrten internationalen Nachhaltigkeitslabel der Foundation for Environmental Education (FEE) für ihre vorbildliche Umweltarbeit und exzellente Infrastruktur ausgezeichnet. Für die gastgebende Bay Kiel war es bereits die zweite Auszeichnung in Folge. Doch über der feierlichen Stimmung liegt seit Kurzem ein dunkler Schatten, der die Euphorie im Hafen merklich dämpft.
Ein Leuchtturm für den Meeresschutz
Erst im zweiten Jahr betreibt die Bay Kiel ihren Hafen am Westufer der Förde, während sich die ansässige gemeinnützige Bay gGmbH bereits erfolgreich als außerschulischer Lernort für Meeresschutzthemen etabliert hat. Tobias Wanierke, nationaler Koordinator der Blauen Flagge, lobte bei der Übergabe der Urkunden das Engagement vor Ort: Die Kriterien in Sachen Wasserqualität, Umwelterziehung und nachhaltigem Abfall- sowie Energiemanagement werden hier vorbildlich gelebt. Während der Sportboothafen aus Maasholm in diesem Jahr sein beeindruckendes 40. Jubiläum feierte, zeigt die junge Bay Kiel, wie moderner, umweltbewusster Wassersport direkt an der Förde aussehen kann.
Die Bundeswehr rückt näher: Ungewisse Zukunft für den Plüschowhafen
So stolz das Hissen der neuen Flagge im ehemaligen British Kiel Yacht Club auch gefeiert wurde – im Hinterkopf aller Beteiligten schwebt die existenzielle Frage nach dem „Wie lange noch?“. Denn die Pläne der Bundeswehr wiegen schwer: Im Zuge der Reaktivierung des benachbarten MFG-5-Geländes beansprucht die Marine auch das gesamte Becken des Plüschowhafens für sich. Wo heute noch Sportboote liegen und Kinder etwas über den Schutz der Meere lernen, sollen künftig militärische Landungs- und Kampfboote ankern. Für die Betreiber und die zivile Nutzung des Hafens stehen die Zeichen trotz der frisch zertifizierten Nachhaltigkeit denkbar schlecht. Ob eine friedliche Koexistenz von Militär und Freizeitsportlern an diesem geschichtsträchtigen Ort möglich sein wird, müssen die kommenden politischen Verhandlungen zeigen.
Über die Blaue Flagge
International wehen bereits in 53 Staaten mehr als 5200 Blaue Flaggen an ausgezeichneten Badestellen,
Sportboothäfen und Touristenbooten.
Die Blaue Flagge wird von der „Foundation for Environmental Education“ (FEE) vergeben.
Die FEE ist eine Nicht-Regierungsorganisation, die in den einzelnen Ländern durch entsprechende
Organisationen vertreten wird. In Deutschland übernimmt diese Aufgabe
die Deutsche Gesellschaft für Umwelterziehung e.V.