- (Bild: Benjamin Ealovega)
Es gibt Räume, die einer Musik erst ihre volle Größe geben. Der Schleswiger Dom ist so ein Raum. Wenn sechs Männerstimmen unter diesem Gewölbe zusammenfinden, wächst der Klang in die Höhe, legt sich in die Seitenschiffe, kommt verwandelt zurück – und man versteht, warum die King's Singers seit über fünfzig Jahren als Maßstab des Ensemblegesangs gelten.
Unter dem Motto „Eine musikalische Mittsommernacht“ hatte das Schleswig-Holstein Musik Festival das britische Ensemble in den Norden geholt – und der Norden war zugleich das Thema des Abends. „Aftonen“, der Abend: Von Thomas Weelkes' Renaissance-Fantasie „Thule“ spannte sich der Bogen zu Hugo Alfvéns lyrischer „Abendstimmung", schwedische Klassiker von Peterson-Berger und Bellman trafen auf Volksweisen aus Finnland, Norwegen und Dänemark. Bei Evert Taubes „So schimmernd war das Meer noch nie“ schien die ganze Weite der Ostsee im Kirchenschiff aufzubranden.
Was diese sechs Sänger auszeichnet, ist nicht allein die vielgerühmte Präzision – es ist die Selbstverständlichkeit, mit der sie zwischen den Welten wandern. Aus der reinen, fast schwerelosen Intonation der nordischen Stücke gleiten sie mühelos in die zweite Hälfte, in der Disney-Melodien und ein Hauch Pop die Strenge des ersten Teils aufbrechen. Nichts wirkt bemüht, nichts angestrengt. Alles ist purer Genuss.
Das Publikum quittierte das durchgängig mit Begeisterung. Der stehende Applaus zum Schluss des Konzerts und über die Zugabe („Mein kleiner grüner Kaktus“) hinaus, wollte kaum enden.
Der schönste Beweis, dass hier keine unnahbaren Weltstars gastiert hatten, folgte allerdings draußen vor dem Dom: Da standen die sechs für Gespräche, Autogramme und Fotos bereit – und lieferten sich sogar mit einem Kind ein spontanes Wettrennen. Weltklasse, die sich nichts vergibt, wenn sie einfach nur menschlich daherkommt.