- Portrait von Maki Namekawa (Bild: Andreas H. Bitnesnich)
Die Atmosphäre im ausverkauften Konzerthaus am Kieler Schloss war am Samstagabend von einer fast andächtigen Spannung geprägt. Es ist ein riskantes Unterfangen, sich an das wohl heiligste Monument der improvisierten Musikgeschichte heranzuwagen: Keith Jarretts „Köln Concert“.
Die Atmosphäre im ausverkauften Konzerthaus am Kieler Schloss war am Samstagabend von einer fast andächtigen Spannung geprägt. Es ist ein riskantes Unterfangen, sich an das wohl heiligste Monument der improvisierten Musikgeschichte heranzuwagen: Keith Jarretts „The Köln Concert“.
Maki Namekawa bewies, dass dieses Werk auch über 50 Jahre nach seiner Entstehung nichts von seiner suggestiven Kraft verloren hat, wenn es mit einer solch kompromisslosen Hingabe interpretiert wird.
Um die Leistung des Abends zu würdigen, muss man sich die Geburtsstunde dieses Werks vor Augen führen. Am 24. Januar 1975 schrieb Keith Jarrett in der Kölner Oper Musikgeschichte – unter denkbar schlechtesten Voraussetzungen. Ein völlig verstimmter, zu kleiner Flügel, als Ersatz für den eigentlich organisierten, aber nicht auffindbaren Bösendorfer-Flügel, das Fingerspitzengefühl eines eilig herbeigerufenen Klavierstimmers und körperliche Erschöpfung beim Künstler selbst bildeten den Nährboden für eine Sternstunde des Jazz. Das daraus resultierende Album avancierte zum erfolgreichsten Solo-Jazzalbum aller Zeiten. Jarrett selbst betonte später oft, dass es sich im Kern gar nicht um Jazz handle, sondern um eine universelle musikalische Sprache.
Maki Namekawa, die das Werk in akribischer Abstimmung mit Keith Jarrett selbst vorbereitet hat, kopierte den Altmeister nicht. Sie transformierte die Partitur in ein Erlebnis. Mit einer beeindruckenden Dynamik und einer schier unerschöpflichen Energie arbeitete sie die rhythmischen Strukturen heraus, die Jarretts Original so hypnotisch machen.
Wo das Original oft zerbrechlich wirkt, setzte Namekawa auf Klarheit und Kraft. Besonders in den ekstatischen Passagen entwickelte sie einen Sog, dem man sich im Saal nicht entziehen konnte. Es war keine museale Aufführung, sondern eine lebendige, atmende Reaktivierung eines Klassikers, die von einer tiefen Durchdringung des Materials zeugte.
Das Kieler Publikum reagierte auf diese emotionale Tour de Force so, wie es dieses Konzert verdient hatte: mit einer spürbaren Begeisterung, die sich am Ende in minutenlangen, stehenden Ovationen entlud. Namekawa hat gezeigt, dass Jarretts Musik in den richtigen Händen zeitlos bleibt.