- Die Ausnahme-Cellistin Anastasia Kobekina begeistertete gemeinsam mit dem Philharmonischen Orchester Kiel unter der Leitung von Evan-Alexis Christ das Publikum. (Bild: ©Nicolas Hudak_Sony Music Entertainment)
Das 5. Philharmonische Konzert im Kieler Konzerthaus am Schloss stand ganz im Zeichen transatlantischer Verbindungen. Mit dabei: Eine Uraufführung und Ausnahme-Cellistin Anastasia Kobekina.
Unter dem Titel „New York“ präsentierte das Philharmonische Orchester Kiel ein Programm, das die historische Rolle der USA als Zufluchtsort und Inspirationsquelle für europäische Komponisten beleuchtete. Die geografische Nähe des Konzerthauses zum Kieler Hafen, wo die großen Kreuzfahrtschiffe das Fernweh greifbar machen, bildete den passenden Rahmen für diesen Vormittag.
Den Auftakt machte die Uraufführung des Werks „With melting flowers … – New York –“ von Teresa Chiché. Die Komponistin, die in München bei Gerd Baumann und Hansjörg Kohli studierte, setzt sich darin mit der Metropole als „Melting Pot“ auseinander. Das fünfminütige Werk ist klar strukturiert: Einem ruhigen Beginn der Holzbläser folgt ein Mittelteil, der den hektischen Rhythmus der Stadt durch sich überschneidende Motive einfängt, bevor das Stück in die anfängliche Ruhe zurückkehrt. Das Publikum im gut besetzten Saal reagierte mit deutlich mehr als nur freundlichem Applaus, wie man es sonst bei neuer Musik oft erlebt, sondern feierte die Komponistin angemessen.
Dvořák in Manhattan: Anastasia Kobekina
Im Zentrum des Programms stand Antonín Dvořáks „Cellokonzert in h-Moll op. 104“. Dvořák schrieb dieses Werk zwischen 1894 und 1895 während seiner Zeit als Direktor des National Conservatory in New York. Es gilt als eines der bedeutendsten Werke der Gattung, in dem Dvořák böhmische Melodik mit den Eindrücken der Neuen Welt verband.
Die Solistin Anastasia Kobekina demonstrierte eindrucksvoll, warum sie zur Weltspitze zählt. Ihr Spiel auf zeichnete sich durch eine seltene Kombination aus technischer Leichtigkeit und klanglicher Intensität aus. Gemeinsam mit dem Dirigenten Evan-Alexis Christ gestaltete sie die lyrischen Passagen mit großer Anmut, ohne die dramatische Kraft des Werkes zu vernachlässigen. Das Ergebnis waren minutenlange stehende Ovationen eines begeisterten Publikums.
Korngold: Von Hollywood zurück zur Symphonie
Nach der Pause folgte Erich Wolfgang Korngolds „Symphonie in Fis-Dur op. 40“. Korngold, der in den 1930er-Jahren vor den Nationalsozialisten in die USA floh, prägte dort maßgeblich den „Hollywood-Sound“. Seine 1952 vollendete Symphonie ist jedoch ein Werk der absoluten Musik, gewidmet Franklin D. Roosevelt. Es ist ein technisch höchst anspruchsvolles Stück, das zwischen spätromantischer Opulenz und moderner Schärfe schwankt. Das Philharmonische Orchester meisterte die komplexen Strukturen unter Christs Leitung mit hoher Präzision.
Der in Los Angeles geborene Dirigent Evan-Alexis Christ erwies sich als Idealbesetzung für dieses Programm. Christ ist für seine Arbeit mit zeitgenössischer Musik ebenso bekannt wie für seine Interpretationen des großen Repertoires. In Kiel führte er das Orchester mit klarer Schlagtechnik und einem feinen Gespür für die unterschiedlichen stilistischen Anforderungen der drei Komponisten durch das Programm und begeisterte auch das Publikum mit seiner großen Dynamik und Euphorie.
Unter dem Strich steht ein handwerklich wie künstlerisch überzeugendes Konzert, das die historische Brücke zwischen Europa und New York eindrucksvoll hörbar machte. Trotz der aktuellen politischen Debatten blieb am Ende vor allem ein Gefühl der Weite und kulturellen Verbundenheit zurück.
Wer dies selbst erleben möchte, hat dazu heute Abend noch die Chance – im Konzerthaus am Schloss wird das Programm ab 19:00 Uhr erneut aufgeführt, die sehr zu empfehlende Einführungsveranstaltung beginnt bereits um 18:15 Uhr. Tickets gibt es wie immer unter theater-kiel.de, telefonisch unter 0431 – 901 901 und an allen Vorverkaufsstellen des Theaters.