- Jan Plewka und Marco Schmedtje sind noch länger auf Tour und haben vor wenigen Tagen mit „Between the Lights“ die CD zum Konzertabend vorgelegt. (Bild: Sven Sindt)
Jan Plewka und Marco Schmedtje lieferten im Kieler Schauspielhaus einen Konzertabend, den niemand im Saal so schnell vergessen wird. Mit großer Lebensfreude und mindestens ebenso tiefer Melancholie gespickt, erwartete das Publikum ein gut abgestimmter Ritt durch Hits und wunderschöne Songs aus vielen Jahrzehnten.
Bevor das Duo in die Abgründe des eigentlichen Programms „Between the Lights“ eintauchte, fungierte es als seine eigene Vorband. Nur mit Gitarre, Gesang und einer unvergleichlichen Harmonie, die nur durch jahrzehntelange Freundschaft entsteht, spielten sie sich durch einen Teil ihres beachtlichen Cover-Repertoires. Die Geschichten, die sie zwischen den Songs webten – mal skurril, mal bewegend –, machten das Schauspielhaus dabei zu einem überdimensionalen Wohnzimmer.
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Wenn Skelette „Killing me Softly“ singen
Nach einer kurzen Atempause verwandelte sich die Szenerie. Plewka und Schmedtje kehrten in Skelettanzügen zurück – als visuelles Statement, das den Kern des Abends markierte. Der Opener des zweiten Teils, eine reduzierte Version von „Killing me Softly“, setzte den Ton für das, was folgen sollte: eine Auseinandersetzung mit dem Tod, die mal melancholisch, mal von einer fast trotzigen Lebensfreude geprägt war.
Es ist die besondere Gabe von Jan Plewka, mit seiner rauen, sehnsuchtsvollen Stimme selbst düsteren Themen eine Wärme einzuhauchen, die niemals kitschig wirkt. Marco Schmedtje an der Gitarre lieferte dazu das filigrane Fundament, auf dem Klassiker wie „Wonderful Life“ oder eine erschütternd schöne Interpretation von „Sound of Silence“ neu erblühten. Plewka selbst ist, der auf der Bühne die Fähigkeiten von Schmedtje treffend beschreibt: „Wer braucht ein Orchester, wenn man so einen Freund hat?”
Die beiden Musiker verstanden es immer wieder, das Publikum aus der Reserve zu locken. Während das Mitklatschen in den Kieler Sitzreihen meist funktionierte, offenbarte sich beim Mitsingen die norddeutsche Zurückhaltung. Nicht jede:r im Saal wagte sich aus der Deckung der Anonymität, doch die Einladung zum gemeinsamen Chor blieb den ganzen Abend über bestehen – ein Symbol für die Gemeinschaft, die Plewka und Schmedtje an diesem Abend stifteten.
Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass der Tod seinen Schrecken verliert, wenn man ihn mit so viel Charme, Witz und musikalischer Brillanz betrachtet. Ein Abend von beklemmender Realität, der uns daran erinnerte, dass das Licht zwischen den Schatten am hellsten leuchtet.
Service-Info: Das aktuelle Programm „Between the Lights“ sowie weitere Termine von Jan Plewka und Marco Schmedtje findest Du auf der offiziellen Website von Jan Plewka.