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Der Ring an einem Abend: Götterdämmerung auf dem Sofa

  • Michael Kessler als „Erzähler“ Loriot auf seinem Sofa.
    Michael Kessler als „Erzähler“ Loriot auf seinem Sofa. (Bild: Olaf Struck, Theater Kiel)
  • Michael Müller-Kasztelan als Siegmund und Siegfried und Agnieszka Hauzer als Sieglinde und Brünnhilde.
    Michael Müller-Kasztelan als Siegmund und Siegfried und Agnieszka Hauzer als Sieglinde und Brünnhilde. (Bild: Olaf Struck, Theater Kiel)
  • Die Rheintöchter Floßhilde (Tatia Jibladze), Wellgunde (Heike Wittlieg) und Woglinde (Xenia Cumento), deren Aufgabe es eigentlich ist, das Rheingold zu bewachen.
    Die Rheintöchter Floßhilde (Tatia Jibladze), Wellgunde (Heike Wittlieg) und Woglinde (Xenia Cumento), deren Aufgabe es eigentlich ist, das Rheingold zu bewachen. (Bild: Olaf Struck, Theater Kiel)
07/02/2026 0 0

Richard Wagners „Der Ring des Nibelungen“, dieses 16-stündige Monumentalwerk über Gier, Gold und den Untergang einer Weltordnung, auf nur drei Stunden zu verdichten, grenzt an ein künstlerisches Wunder. Vicco von Bülow, besser bekannt als Loriot, ist dieses Kunststück gelungen. In Kiel wird diese Fassung nun zu einem gleichermaßen intensiven wie belustigenden Abend.

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Worum geht es eigentlich in diesem Epos? Im Kern ist der „Ring“ eine Parabel über den Fluch der Macht. Wer ihn besitzt, gewinnt die Weltherrschaft – verliert aber die Liebe. Von den Tiefen des Rheins über die Höhen von Walhall bis zum Weltenbrand der Götterdämmerung entspinnt sich ein Netz aus Intrigen, Inzest und heroischem Scheitern. Dass diese gewaltige Erzählung in nur einem Abend fassbar wird, liegt an Loriots chirurgisch präzisen Zwischentexten. Er filtert das Pathos heraus, ohne das Werk zu verraten. Dass dabei populäre Passagen wie der „Ritt der Walküren“ fehlen, ist kein Versäumnis, sondern ein bewusster Fokus auf den dramaturgischen Kern. Loriot ging es nicht um ein „Best-of“ der populärsten Melodien, sondern um die menschlichen (und göttlichen) Abgründe der Geschichte, die durch den narrativen Faden erst ihre volle Wirkung entfalten.

Michael Kessler übernimmt die Rolle des Erzählers und steht damit vor einer fast unlösbaren Aufgabe: Wie füllt man die Lücke, die der Großmeister des deutschen Humors hinterlassen hat? Kessler löst dies zeitweise brillant. Er bewahrt den typischen, leicht preußisch-steifen Duktus Loriots, lässt aber genug Raum für seine eigene komödiantische Handschrift. Er imitiert nicht plump, er interpretiert. Sein Timing ist messerscharf, und auch wenn sein Ansatz im Publikum für Diskussionsstoff sorgte, so verlieh er dem Abend eine frische, lebendige Note, die über eine bloße Nostalgie-Show hinausging.

Michael Müller-Kasztelan als Siegmund und Siegfried und Agnieszka Hauzer als Sieglinde und Brünnhilde.
Michael Müller-Kasztelan als Siegmund und Siegfried und Agnieszka Hauzer als Sieglinde und Brünnhilde. (Bild: Olaf Struck, Theater Kiel)

Auf der Bühne entfaltete das Ensemble eine stimmliche Wucht, die den konzertanten Rahmen sprengte. Michael Müller-Kasztelan dominierte als Siegmund und Siegfried mit einer strahlenden Tenor-Präsenz, die sowohl die Sehnsucht als auch den jugendlichen Übermut der Rollen einfing. Ihm ebenbürtig zeigte sich Agnieszka Hauzer, deren Sieglinde und Brünnhilde von einer fast schmerzhaften Intensität gezeichnet waren.

Auch die Nebenrollen waren hochkarätig besetzt: Tatia Jibladze verlieh Fricka eine gebieterische Strenge, während Jörg Sabrowski als Alberich und Hagen die dunkle, manipulative Seite des Goldes stimmlich eindrucksvoll verkörperte. Das Philharmonische Orchester Kiel unter der Leitung des Wagner-Spezialisten Frank Biermann spielte mit einer dynamischen Spielfreude, die jede Nuance zwischen zartem Motiv und gewaltigem Blechgewitter auskostete.

Die Rheintöchter Floßhilde (Tatia Jibladze), Wellgunde (Heike Wittlieg) und Woglinde (Xenia Cumento), deren Aufgabe es eigentlich ist, das Rheingold zu bewachen.
Die Rheintöchter Floßhilde (Tatia Jibladze), Wellgunde (Heike Wittlieg) und Woglinde (Xenia Cumento), deren Aufgabe es eigentlich ist, das Rheingold zu bewachen. (Bild: Olaf Struck, Theater Kiel)

Die Ausstattung von Nina Sievers kam mit wenigen, aber pointierten Requisiten aus, die zusammen mit Martin Witzels effektivem Lichtdesign eine dichte Atmosphäre schufen. Es brauchte keinen Drachen auf der Bühne – das flackernde Licht und die musikalische Untermalung reichten völlig aus, um die Fantasie des Publikums zu entfachen.

Das Publikum erlebte einen triumphalen Abend, der bewies, dass Wagner und Witz keine Gegensätze sein müssen. Ein Muss für Opernfreunde im Allgemeinen, solche, die sich bislang nicht an Wagners Monster-Epos trauten und einfach mal reinschnuppern wollen, sowie Loriot-Liebhaber gleichermaßen.

Weitere Vorstellungen gibt es bis weit in den April hinein. Allerdings: Für viele Termine sind schon jetzt nur noch Restkarten verfügbar. Die gibt es unter theater-kiel.de, telefonisch unter 0431 – 901 901 sowie an den Vorverkaufsstellen des Theaters.


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ÜBER DEN AUTOR

Sebastian Schack
Sebastian Schack

… ist geborener Kieler und war bei Falkemedia, dem Medienhaus hinter KIELerleben, mehr als zehn Jahre lang Chefredakteur der Mac Life, Europas größtem Apple-Magazin. In seiner Freizeit schreibt er aus alter Verbundenheit regelmäßig über Konzerte des Schleswig-Holstein Musik Festival oder Aufführungen am Theater Kiel vom Schauspiel über die Oper bis zum Orchester.


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