- Lucas Bock und Katharina Kastendiek haben es in den vergangenen Wochen häufig mit verunfallten Wildtieren aus Kiel zu tun. (Bild: falkemedia Regional)
- Ungewöhnlicher Gast: Eine Waldschnepfe flog gegen das Fenster der Redaktion und brauchte kurzfristige Unterstützung. (Bild: falkemedia Regional)
- Leckerbissen für Wildtiere: Weil wild lebende Tiere wie Vögel aktuell nur schwer Nahrung finden, füttern die Mitarbeitenden der Station Insekten, um sie wieder aufzupäppeln. (Bild: falkemedia Regional)
Ein dumpfer Knall am Fenster, ein verletzter Vogel auf dem Boden – solche Szenen häufen sich aktuell auch in Kiel. Der lange Frost setzt Wildvögeln zu. Was dahintersteckt, warum besonders Waldschnepfen betroffen sind und wie du richtig handelst, wenn ein Vogel Hilfe braucht.
Erst ein Knall, dann Stille
Es ist ein ganz normaler Wintertag im Büro der KIELerleben‑Redaktion, als plötzlich ein lauter Knall durch den Raum hallt. Kurz darauf Stille. Vor dem Fenster liegt eine Waldschnepfe. Verwirrt, geschwächt, blutend, offenbar gegen die Scheibe geflogen. Was ist jetzt zu tun?
Ein Anruf beim Tierheim Uhlenkrog bringt die Lösung: Wildtierstation Preetz. Redakteur Sebastian bringt den Vogel kurzerhand dorthin – eine Fahrt, die derzeit viele Kieler*innen antreten, wie sich herausstellen sollte.
Warum passiert das gerade jetzt so häufig?
„Dieses Jahr ist es deutlich schlimmer als sonst“, sagt Lucas Bock von der Wildtierstation Preetz. Allein aus Kiel seien bereits über ein Dutzend Waldschnepfen eingeliefert worden. Der Grund: anhaltender Frost.
Waldschnepfen sind Insektenfresser. Normalerweise stochern sie im Boden nach Würmern und Larven. Doch der Boden ist seit Wochen gefroren, oft zusätzlich von Schnee bedeckt. Nahrung fehlt.
„Die Vögel verlieren extrem schnell an Gewicht. Wenn sie dann geschwächt fliegen, reicht ein kleiner Orientierungsfehler – und sie prallen gegen Fensterscheiben“, erklärt Bock.
Ungewöhnlicher Gast: Eine Waldschnepfe flog gegen das Fenster der Redaktion und brauchte kurzfristige Unterstützung. (Bild: falkemedia Regional)
Anflugtrauma: unsichtbar, aber gefährlich
Viele der eingelieferten Vögel leiden an einem sogenannten Anflugtrauma – vergleichbar mit einer schweren Gehirnerschütterung. „Sie sind benommen, können nicht fressen, nicht trinken, nicht klar denken“, so Bock. Besonders fatal bei Kälte: Ohne schnelle Hilfe verhungern sie.
In Preetz wird jeder Vogel zunächst ruhig und dunkel gelagert. Keine Reize, kein Futter, kein Wasser. Erst nach mehreren Stunden zeigt sich, ob er sich erholt – oder ob innere Verletzungen vorliegen.
Leckerbissen für Wildtiere: Weil wild lebende Tiere wie Vögel aktuell nur schwer Nahrung finden, füttern die Mitarbeitenden der Station Insekten, um sie wieder aufzupäppeln. (Bild: falkemedia Regional)
Wann Helfen sinnvoll ist – und wann nicht
Nicht jedes Tier braucht Hilfe. Aber bei sichtbaren Verletzungen, Orientierungslosigkeit oder nach einem Scheibenanflug gilt: handeln.
Wenn ein Vogel gegen dein Fenster fliegt, sind diese Schritte entscheidend:
Nicht in Panik verfallen! Ruhe bewahren, Tier vorsichtig sichern
• In einen kleinen Karton mit Luftlöchern setzen, ein Tuch als Nest
• Dunkel & ruhig lagern – kein Futter, kein Wasser!
• 2–3 Stunden beobachten – bei Unsicherheit oder keiner Besserung: Station kontaktieren
„Wenn noch eine Chance besteht, macht Helfen absolut Sinn“, sagt Bock. Gerade bei Arten wie der Waldschnepfe, deren Bestände unter Druck stehen.
Wildtierstation Preetz: Herzblut, Ehrenamt und große Verantwortung
Die Wildtierstation Preetz wird rein ehrenamtlich geführt und ist aktuell stark ausgelastet. Sie bietet Schutz und Pflege für Eulen, Bussarde, Singvögel, Gänse und viele mehr – darunter auch bedrohte Arten. Um ihre Arbeit fortsetzen zu können, ist sie auf Spenden angewiesen.
So kannst du helfen – auch ohne Vogel in der Hand
Spendenkonto:
Förderverein Wildtierheim der Vogelschutzgruppe Preetz
Fördesparkasse Kiel
IBAN: DE55 2105 0170 1002 8304 69
BIC: NOLADE21KIE
Verwendungszweck: „Wildtierheim/Vogelschutzgruppe Preetz – Spende“
Website: wildtierheimpreetz.de
Kontakt: info@wildtierheim.de
Notfallnummer (auch WhatsApp): 0171 - 40 86 331
Festnetz: 04342 - 7991173