- (Bild: falkemedia Regional GmbH/S. Schulten)
- Erfahrung im Detail: Susanne Bertermann zeigt, wie wichtig Präzision bei der Einlagenfertigung ist. (Bild: falkemedia Regional GmbH/S. Schulten)
- Vom Studium zur Schuhtechnik: Mitarbeiter Hidisen Dervishi berichtet, warum Handwerk mehr Perspektiven bietet, als man denkt. (Bild: falkemedia Regional GmbH/S. Schulten)
Handwerk, Umschulung, berufliche Neuorientierung: Bei Höfer Orthopädie & Schuhtechnik in Kiel zeigt sich, dass ein beruflicher Neustart auch jenseits der 30 möglich ist – und erfüllend sein kann.
Handwerk in Kiel: Arbeit mit Sinn und Perspektive
Handwerk hat in Kiel eine lange Tradition – und ist zugleich aktueller denn je. Bei Höfer Orthopädie & Schuhtechnik in der Holtenauer Straße wird deutlich, warum eine Ausbildung oder Umschulung im Handwerk auch im späteren Berufsleben neue Perspektiven eröffnen kann.
„Wir arbeiten mit den Händen und machen am Ende des Tages Menschen glücklich. Was wir tun, ist wertvoll“, sagt Silke Schneider, Orthopädieschuhmachermeisterin und Chefin des Familienbetriebs. Höfer wird inzwischen in dritter Generation geführt. Ihr Vater arbeitete bis ins hohe Alter im Betrieb – ein Beispiel dafür, dass Handwerk kein Beruf auf Zeit ist, sondern oft ein lebenslanger Begleiter.
Umschulung und Quereinstieg: Auch mit 60 kein Tabu
Dass ein beruflicher Neuanfang auch mit 50 oder 60 Jahren gelingen kann, zeigt die Geschichte von Susanne Bertermann (60). Die gelernte Tischlerin arbeitete später als Arzthelferin, wurde krank und absolvierte eine Reha. Über eine Maßnahme zur Teilhabe am Arbeitsleben fand sie den Weg zurück in den Arbeitsalltag – und schließlich zu Höfer Orthopädie & Schuhtechnik.
Erfahrung im Detail: Susanne Bertermann zeigt, wie wichtig Präzision bei der Einlagenfertigung ist. (Bild: falkemedia Regional GmbH/S. Schulten)
Ein Hinweis im Schaufenster führte zu einem Gespräch, daraus wurde ein Praktikum. Heute arbeitet Bertermann als Werkstatthilfe im Betrieb. „Ich schätze die Vielseitigkeit“, sagt sie. Unterschiedliche Materialien, individuelle Kundinnen und Kunden und immer neue Aufgaben machten die Arbeit für sie besonders reizvoll. „Man merkt sofort, dass man gebraucht wird.“
Warum Handwerk Sicherheit geben kann
Auch für jüngere Mitarbeitende spielt die Sicherheit des Handwerks eine wichtige Rolle. Hidisen Dervishi (30) stammt aus Albanien, hat Sportwissenschaften studiert und das Handwerk von seinem Vater und Großvater gelernt. „Eine handwerkliche Ausbildung ist im richtigen Leben wie eine Jacke“, sagt er. „Man kann sie ausziehen, wenn man sie nicht braucht – aber man weiß nie, wann man sie wieder anziehen muss.“ Weise Worte, die der Neukieler nicht vergessen hat – im Gegenteil. Sein unermüdlicher Drang, einer sinnvollen Arbeit auch in einem ihm fremden Land nachzugehen, hat ihn sogar landesweit auf die Werbeplakate in im Norden gebracht. „Dervishi ist Teil der Kampagne „WELCOMMUNITY – Welcome international Talents“ des Welcome Centers Schleswig-Holstein.
Vom Studium zur Schuhtechnik: Mitarbeiter Hidisen Dervishi berichtet, warum Handwerk mehr Perspektiven bietet, als man denkt. (Bild: falkemedia Regional GmbH/S. Schulten)
Gerade für Menschen mit Brüchen im Lebenslauf oder dem Wunsch nach Neuorientierung ist diese Sicherheit entscheidend. Handwerk bietet konkrete Fähigkeiten, die gefragt bleiben – unabhängig von Alter oder vorherigem Berufsweg.
Ausbildung, Umschulung, Neustart: Handwerk bleibt relevant
Für Silke Schneider ist klar: Eine Ausbildung oder Umschulung im Handwerk ist keine Frage des Alters. Entscheidend seien Interesse, Motivation und die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen. „Wir helfen Menschen – und das gibt unserer Arbeit Sinn.“
Ob als erste Ausbildung, Quereinstieg oder beruflicher Neustart mit 50+: Das Handwerk bietet auch in Kiel echte Perspektiven – fachlich, menschlich und langfristig.