- Wolfram (Nikolaus Okonkwo), Klara (Tiffany Köberich) und Astrid (Jennifer Böhm) liefern sich ein Wortgefecht nach dem anderen und kreisen dabei immer weiter ein enorm brisantes Thema ein. (Bild: Olaf Struck, Theater Kiel)
Die Studio-Bühne des Kieler Schauspielhauses verwandelte sich gestern Abend in ein psychologisches Laboratorium, in dem der Wein reichlich floss und sich ein wortreicher Schlagabtausch an den nächsten reihte.
Mit der Premiere von „Ellen Babic“ unter der Regie von Kristin Trosits ist dem Ensemble ein beklemmender Abend gelungen, der die Mechanismen von Macht und Manipulation seziert. Das Paradoxe an diesem Stück: Die titelgebende Figur, Ellen Babic, findet physisch überhaupt nicht statt. Sie ist eine Leerstelle, ein bloßes Konstrukt in den Erzählungen der anderen – und doch der Aufhänger für ein wahres Drama. Es geht um Abhängigkeiten, um das Erfinden von Wahrheiten und die Frage, wer in einem Spiel von Lügen und Intrigen am Ende die besseren Karten in der Hand hält.
Die Inszenierung setzt dabei auf ein hohes Tempo; Kristin Trosits lässt die Figuren in einem rasanten verbalen Zuspiel aufeinanderprallen, nur um den Redefluss immer wieder durch abrupte, fast fotografische Pausen zu unterbrechen, die das Unbehagen im Zuschauerraum fast greifbar machen.
Das Trio auf der Bühne agiert dabei mit enorm hoher Intensität. Jennifer Böhm gibt ihrer Astrid eine kühle, fast analytische Klarheit – eine Frau, die schnell alles durchschaut. Ihr zur Seite steht Tiffany Köberich als Klara, die als zupackende, unangepasste Praktikerin einen wunderbaren, erdigen Kontrast bildet und sich zwischen Verunsicherung und offener Provokation behauptet.
Das emotionale Epizentrum ist jedoch Nikolaus Okonkwo. Er verkörpert den Schulleiter Wolfram mit einer beeindruckenden Präzision: zwischen elitärem Hochmut und plötzlichem Kontrollverlust, der seinen wahren Charakter schonungslos offenlegt. Es ist eine Leistung, die wahrlich unter die Haut geht.
Großartig ist auch das Bühnenbild von Nina Sievers. Die scheinbar schlichte Konstruktion aus Türen ist weit mehr als bloßer Hintergrund, verbergen diese doch Teile von zunächst rätselhaften Plüschtieren.
Das Stück hält manche interessante, vielleicht sogar überraschende Wendung bereit und bietet reichlich Anlass für Diskussionen im Anschluss.
Karten für das turbulente Stück, das unter anderem am 15. und 19. März sowie am 11. und 19. April aufgeführt wird, gibt es, wie immer, unter theater-kiel.de, telefonisch unter 0431 – 901 901 und an allen Vorverkaufsstellen des Theaters.