Während offiziell nur vom MFG-5-Gelände die Rede ist, wächst im Kieler Norden die Unsicherheit: Könnten die Pläne der Bundeswehr auch zivile Bereiche am Plüschowhafen betreffen? Ein Blick auf die Einladung an die Zwischennutzer lässt Raum für Spekulationen – ganz faktisch findet jedoch bereits die erste Wasser-Demo am Samstag, den 11. April statt.
Die geopolitische Sicherheitslage sorgt für massive Bewegung an der Kieler Förde. Wie aus einer aktuellen Einladung von Oberbürgermeister Dr. Ulf Kämpfer an die Zwischennutzer auf dem Gelände Holtenau Ost hervorgeht, liegen die Ergebnisse der monatelangen Verhandlungen mit der Bundeswehr nun vor. Was als Dialog über die Rückkehr des Militärs auf das ehemalige Marineflieger-Areal (MFG 5) begann , könnte weitaus größere Auswirkungen auf die Stadtgesellschaft haben, als bisher öffentlich bekannt war.
Einladungsliste wirft Fragen auf: Wer ist wirklich betroffen?
Die offizielle Einladung richtet sich an Akteure, die das Sanierungsgebiet Holtenau Ost seit Jahren beleben. Doch Recherchen von KIELerleben zeigen: Der Kreis der Geladenen ist offenbar weiter gefasst als erwartet. Auch der Verein Schwentineflotte e. V., eine tragende Säule der maritimen Identität am Plüschowhafen , steht auf der Gästeliste für den kommenden Mittwoch.
Vera Fichtner, Vorstand der Schwentineflotte , bestätigte gegenüber KIELerleben den Erhalt der Einladung für den rund 100 Mitglieder starken Verein. Ob der Standort am Plüschowhafen direkt von den Plänen der Bundeswehr betroffen ist, blieb in ersten Anfragen ungeklärt. Die Sorge im Verein ist jedoch groß , denn hier geht es um mehr als nur Liegeplätze: Der Verein bewirtschaftet in Eigenregie eine Gemeinschaftsfläche, auf der rund 25 Menschen dauerhaft auf ihren Schiffen leben – ein in Deutschland fast einzigartiges Konzept. Alljährliche Veranstaltungen wie das Hafenfest pflegen hier eine lebendige Alltagskultur.
Wasser-Demo: „Gemeinschaft braucht Raum“
Die Ungewissheit führt nun zu ersten zivilen Protestaktionen. Für Samstag, den 11. April, ist eine Wasser-Demo geplant. Unter dem Motto „Gemeinschaft braucht Raum – auch in Krisenzeiten“ soll eine Flottille vom Molen-Ende Stickenhörn aus starten , um auf die drohende Verdrängung sozialer Räume aufmerksam zu machen. „Man vertreibt keine Heimat – auch nicht vom Wasser“, lautet einer der geplanten Banner-Sprüche für die Aktion.
Die Demonstration ist ein deutliches Signal an die Stadtpolitik, dass der freie Zugang zu den Wasserflächen für die Stadtgesellschaft erhalten bleiben muss. In den Reihen der Flotte wird betont, dass soziale Räume kein „Kollateralschaden“ militärischer Planungen sein dürfen.
Informationsabend in der Halle 400: Stadt verspricht Aufklärung
Die Stadt Kiel betont in ihrem Schreiben, dass man sich der „unmittelbaren Betroffenheit“ der Akteure bewusst sei. Für den 15. April 2026 um 18:30 Uhr ist daher eine Informationsveranstaltung in der Halle 400 angesetzt, um die Ergebnisse des Standortdialogs offiziell vorzustellen. Parallel dazu sollen die Informationen ab Mittag online unter www.kiel.de/standortdialog abrufbar sein.
Ob der Plüschowhafen tatsächlich Teil der neuen Bundeswehr-Strategie ist, wird eine der zentralen Fragen des Abends sein. Für die maritime Kulturlandschaft in Holtenau Ost steht viel auf dem Spiel : Es geht um die Balance zwischen nationalen Sicherheitsinteressen und der mühsam aufgebauten soziokulturellen Identität eines ganzen Stadtteils.