- Teilzeit ist in der Gastronomie besonders verbreitet: Viele Servicekräfte in Kiel arbeiten mit reduzierter Stundenzahl – oft aus familiären Gründen. (Bild: Adobe Stock)
48.200 Menschen in Kiel arbeiten in Teilzeit – vor allem Frauen. Für viele Betriebe wird das zum Standortfaktor: Es fehlen Arbeitsstunden, Personal und Planungssicherheit.
Teilzeit in Kiel: Alltag statt Ausnahme
Teilzeit ist in Kiel längst kein Randthema mehr. Laut aktuellen Zahlen der Arbeitsagentur arbeiten rund 48.200 Menschen in der Landeshauptstadt in Teilzeit – und der Anteil ist deutlich weiblich geprägt: 72 Prozent der Teilzeitbeschäftigten sind Frauen. Gleichzeitig liegt der Frauenanteil bei Vollzeitstellen nur bei 36 Prozent. Auf diese Entwicklung weist die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Schleswig-Holstein Nord hin.
Für Kieler Unternehmen sind diese Zahlen mehr als Statistik. Sie zeigen, wie stark Arbeitsmarkt und Wirtschaft bereits heute davon abhängen, ob Menschen überhaupt die Möglichkeit haben, mehr Stunden zu arbeiten.
Was Teilzeit für Kieler Betriebe bedeutet
Gerade Branchen wie Gastronomie, Hotellerie, Einzelhandel, Pflege oder Dienstleistungen spüren die Auswirkungen direkt. Wo früher Vollzeitkräfte Schichten abdecken konnten, müssen heute häufig mehrere Teilzeitstellen kombiniert werden. Das führt nicht nur zu höherem organisatorischem Aufwand, sondern auch zu Lücken im Betriebsablauf – etwa bei Öffnungszeiten, Servicequalität oder Vertretungen.
Für kleinere Betriebe kann das schnell zum Problem werden: Wenn kurzfristig jemand ausfällt oder Betreuungssituationen sich ändern, fehlen Arbeitsstunden, die kaum kompensierbar sind. Gleichzeitig steigt der Wettbewerb um Fachkräfte, die überhaupt bereit sind, mehr als 20 oder 30 Stunden zu arbeiten.
Warum viele nicht Vollzeit arbeiten können
Die NGG betont: Teilzeit sei für viele Beschäftigte keine freiwillige Entscheidung, sondern eine Notwendigkeit. Gründe sind vor allem fehlende Kitaplätze oder die Pflege von Angehörigen. Wer familiäre Aufgaben übernehmen muss, kann nicht einfach mehr Stunden leisten – selbst wenn das Einkommen oder die Rente dadurch deutlich steigen würden.
Standortfaktor Infrastruktur: Kita und Pflege
Für Kiel wird damit klar: Gute Betreuung und Pflegeangebote sind nicht nur ein soziales Thema, sondern ein wirtschaftlicher Schlüssel. Denn je besser die Infrastruktur, desto eher können Beschäftigte ihre Arbeitszeit erhöhen – und Unternehmen gewinnen Planungssicherheit sowie dringend benötigte Arbeitskraft.
Auch Modelle wie die sogenannte Brückenteilzeit können helfen, Beschäftigten flexible Übergänge zwischen Teilzeit und Vollzeit zu ermöglichen.
Teilzeit betrifft die ganze Stadt
Teilzeit prägt den Kieler Arbeitsmarkt – und damit auch die lokale Wirtschaft. Für viele Betriebe geht es längst nicht mehr nur um Personal, sondern um die Frage, wie Kiel als Standort Arbeits- und Lebensrealität besser zusammenbringt.