Die Kieler Maßschneiderin Christina Schröder brachte im März 15 eigene Designs auf die Pariser Fashion Week. Im Interview spricht sie über den Glamour an der Seine und verrät, warum eines ihrer schönsten Kleider eigentlich „fast nackig“ war und weshalb ihr eigenes Stoffregal in Kiel zur wichtigsten Inspirationsquelle wurde.
Liebe Tina, du hast im März bei der Pariser Fashion Week selbst designte und genähte Outfits präsentiert. Wie war die Atmosphäre?
Es war sehr gehoben und schick, null Prozent Deutsch. (lacht) Ich fühlte mich wie in einer anderen Welt. Und die Location war so schön! Meine Show fand im La Maison Champs Elysée in der Nähe vom Eiffelturm statt. Also bei den richtig teuren Geschäften. Unter den Designerinnen war die Stimmung sehr herzlich und hilfsbereit. Ein paar kannte ich auch schon vorher.
Wie fühlt es sich an, als Maßschneiderin aus Kiel an der Pariser Fashion Week teilzunehmen?
Es war super abgefahren. Die Vorbereitungen haben so lang gedauert, und dann ist das Wochenende einfach an mir vorbeigerast. In Paris hatte ich aber eine große Crew dabei. Dadurch hatte ich es etwas leichter und konnte die Fashion Week genießen.
Deine Show fand am 8. März statt. Wie lief das Wochenende ab?
Am Freitag bin ich mit meiner Schwester im Auto angereist, damit wir alle 15 Outfits und Schuhe mitnehmen konnten. Am Samstag kamen meine Mädels dazu. Das sind meine Meisterin, die seit Sommer bei mir arbeitet, meine ehemalige Auszubildende, zwei Freundinnen und eine Fotografin. Sie haben mir an dem Wochenende viel Mental Load abgenommen, konnten Änderungen an den Outfits übernehmen und haben mich zwischendurch daran erinnert, etwas zu trinken und zu essen.
Wie würdest du die Outfits beschreiben, die du bei der Show präsentiert hast? Welche Schnitte, Stoffe oder Details hast du verwendet?
Meine Kleider waren sehr floral und feminin, um die Silhouette der Frau hervorzuheben. Dafür habe ich oft im Corsagenstil gearbeitet. Ich habe sehr viele 3D-Blumen verwendet, die wir teilweise auch selbst hergestellt haben, und schöne Schnitte ausprobiert. Die Outfits sollten bewusst ausdrucksstark sein. Dafür habe ich Samt, Spitze, Organza und Chiffon gewählt, also eher elegante Stoffe. Und viel Glitzer, ich liebe Glitzer!
Wie entsteht ein Kleid von der ersten Inspiration bis hin zum fertigen Modell?
Ich muss ehrlich sagen, dass ich nicht so viel ausgeben wollte. Also habe ich zuerst in meinem Regal geschaut. Bei mir kommen die Ideen hauptsächlich, wenn ich Stoffe sehe. Dann kann ich mir darunter ein Kleid vorstellen. Wir Schneiderinnen haben ja nun mal eine Schwäche für Stoffe. Wenn wir einen schönen Stoff sehen, wollen wir ihn kaufen, weil wir ihn irgendwann mal verarbeiten. Dadurch hatte ich hier unglaublich viel liegen.
Bei manchen Outfits wollte ich ein Design gerne mal ausprobieren und habe mir dafür neuen Stoff bestellt. Dann habe ich viel gezeichnet, viele Entwürfe sind auch wieder im Müll gelandet. Ich wollte gerne einen tiefen Rückenausschnitt und ein tiefes Dekolleté dabei haben. Und dann gab es auch kurze Kleider und Corsagen und eine Hose wollte ich auch gerne mitnehmen.
Und wie war es, diese besonderen Outfits zu nähen?
Es hat richtig viel Spaß gemacht, mit meinen zwei Meisterinnen die Outfits zu nähen. Solche ausgefallenen Verarbeitungstechniken und gewagten Schnitte fertigen wir im Alltag ja nicht an, weil wir eher Braut- und Abendmoden machen. Wir hatten zum Beispiel ein tailliertes Modell mit einer Corsage, die unter der Brust aufhört, mit einem transparenten Stoff, und über der Brust waren nur 3D-Blumen. Das war eigentlich schon nackig, aber so schön.
Haben sich die Outfits von dir als Maßschneiderin unterschieden von denen der Designer*innen?
Als Maßschneiderin mache ich mir viele Gedanken um die hochwertige Verarbeitung und eine gute Passform. In Paris waren mit mir drei Maßschneiderinnen und wir waren sehr gut vorbereitet. Unsere Kleider haben wirklich gut gesessen, weil wir vorab nach den Maßen und Fotos der Models gefragt haben. Für mich war es wichtig, die Frau richtig einzukleiden, und sie sollte ein Kleidungsstück tragen, das richtig gut sitzt und jeweils zum Typ passt. Bei den Designerinnen geht es, glaube ich, mehr um die Show.
Gab es Momente hinter den Kulissen, die dich besonders beeindruckt oder überrascht haben?
Ich war überrascht, dass alles so gut lief. Ich habe mit wesentlich mehr Stress gerechnet, aber es war so entspannt, weil alle so nett und fürsorglich waren. Die Models waren auch superlieb und haben immer gefragt, ob sie bei dem Outfit auf etwas achten müssen. Es tut gut, so arbeiten zu können.
Gibt es in deiner Kollektion für die Fashion Week ein Kleid, das du selbst gerne mal tragen würdest?
Es gibt ein knöchellanges Kleid, mit Glitzerstoff und einem recht tiefen Ausschnitt. Egal, welcher Frau ich das anziehe, es sieht immer gut aus. Das ist so ein toller Schnitt. Das würde ich mal bei einer Silvesterparty anziehen. Die anderen sind recht extravagant.
Konntest du bei der Fashion Week Trends für die Braut- und Abendmode erkennen?
Ich habe viele Corsagen bis zur Taille gesehen, die dann in den Rock übergehen. Dabei macht die Verarbeitung super viel Spaß und der Schnitt sieht immer sehr feminin und sexy aus. Es war auch viel 3D-Spitze und Glitzer dabei.
Und was steht bei dir als Nächstes an? Die Fashion Week in New York?
Die Vorbereitungen für Paris waren schon anstrengend, aber es hat auch Spaß gemacht. Also bei New York bin ich mir unsicher. Die Messlatte ist jetzt schon hoch. Aber auf der Rückfahrt aus Paris habe ich über mein zehnjähriges Jubiläum nächstes Jahr nachgedacht. Dafür würde ich auch gerne eine Modenschau planen. Und dann steht am 11. April auch noch die Eröffnung von meinem Schuhladen „Enough“ an.
Es wird also nicht langweilig bei dir. Ich wünsche dir viel Erfolg für deinen Schuhladen!