Weg vom Alltagsstress, rein in die norddeutsche Weite: Wer eine Pilgerreise unternehmen möchte, muss nicht ganz nach Spanien fahren. Das Pilgern in Schleswig-Holstein findet immer mehr Anhänger*innen.
Eine Pilgerreise? Spätestens nach Hape Kerkelings Buch „Ich bin dann mal weg“, in dem er seine Reise entlang des Jakobswegs nach Santiago de Compostela beschreibt, ist das Pilgern in den Köpfen der Menschen angekommen und hoffähig. Viele haben das Entschleunigen für sich entdeckt. Aber geht das auch in Schleswig-Holstein – direkt vor unserer Haustür?
Stille und Entschleunigung
Früher galt das Pilgern als religiöse Pflichtübung. Heute ist die Wanderung die ultimative Lösung für alle, die das Hamsterrad des Lebens einen Moment gegen die Weite des Horizonts eintauschen möchten. In einer Welt, die niemals schläft, suchen viele nach Stille, Entschleunigung und dem Gefühl von echtem Boden unter den Füßen.
Warum eigentlich pilgern?
Pilgern ist die einfachste Form der Selbsterfahrung. Wer tagelang geht, reduziert sein Leben auf das Wesentliche: den nächsten Schritt, den Atem, die Landschaft. Doch man muss nicht bis nach Spanien reisen, um auf dem Jakobsweg zu wandeln. Auch in Schleswig-Holstein gibt es Pilgerwege, die sich zunehmender Beliebtheit erfreuen. Und bei uns im Norden kommt noch eine ganz besondere Komponente dazu: die beiden Meere. Für die Pilger*innen im nördlichsten Bundesland bietet die Weite des Nordens den perfekten Raum für innere Klarheit.
Via Jutlandica oderPilgern an der Förde
Zu den schönsten Routen gehört unter anderem die Via Jutlandica. Sie führt von der dänischen Grenze bei Flensburg bis nach Schleswig und teilt sich von dort – es geht nach Glückstadt oder Lübeck. Besonders der Abschnitt durch die Hüttener Berge bietet fast schon alpines Flair im Flachland. Wer sich für Lübeck als Fernziel entscheidet, läuft auch ein Stück am Nord-Ostsee-Kanal sowie an der Kiellinie und Schwentine entlang. Mit Blick auf das Wasser bedeutet Wandern Balsam für die Seele. Außerdem beliebt ist der Mönchsweg: Er führt von Bremen bis auf die Insel Fehmarn. Diese Route verbindet historische Feldsteinkirchen und Klöster mit der sanften Natur der Holsteinischen Schweiz. Ob die Ost- oder Westroute, die Via Scandinavica, Routen in Dithmarschen oder auf der Halbinsel Eiderstedt – egal, wo du dir die Auszeit nimmst, es geht immer um eines: das Loslaufen.
Was kommt in den Rucksack?
Wer eine Pilgerreise – und sei sie noch so klein – machen möchte, benötigt einen Rucksack. Hier gilt: weniger ist mehr. Jedes Gramm zu viel fällt schon nach einigen Kilometern ins Gewicht. Eingelaufene Wanderschuhe sind Pflicht, und das Zwiebelprinzip bei der Funktionskleidung im Norden ist essenziell. Regenjacke und Fleece passen immer gut zusammen. Der Pilgerpass öffnet oft Türen zu günstigen Pilgerherbergen, und unbedingt dabei haben sollte man ein Notizbuch für seine Gedanken sowie eine Wasserflasche.
Der Weg ist das Ziel
Pilgern in Schleswig-Holstein ist eine Einladung, die Zeit anzuhalten. Zwischen Deichen und Rapsfeldern findet man meistens genau das, was man am meisten vermisst, aber gar nicht gesucht hat: sich selbst. Und am Ende der Reise versteht man das Wesentliche des Lebens: Der Weg ist das Ziel.
Wer mehr über Pilgerreisen in Schleswig-Holstein erfahren möchte, findet unter anderem unter www.pilger-im-norden.de/pilgern-in-schleswig-holstein eine Menge Informationen, Anregungen und verschiedene Routen.